Hans Jürgen Buchner


1) Womit haben Sie sich in der letzten Zeit beschäftigt?
Vor allem mit Filmmusik, das mache ich ja sehr häufig. Außerdem habe ich ein chinesisches Lied, von dem man mir sagte, es sei das älteste bekannte chinesische Volkslied, auf Chinesisch gesungen und mit bayerischen Klängen wie Tuba oder Trompete instrumentiert. Das Lied heißt Kangding Love Song. Die Melodie hat schon die typisch fernöstliche Akkordfolge, aber es kam mir nicht so fremd vor, dass ich das erstmal hätte studieren müssen. Die drei Akkorde sind eigentlich ganz normal. Ich hatte eine Chinesin im Studio, die meine Aussprache überwachte. Die Aufnahme haben wir nach China geschickt und dort sagte man uns, es klänge, als ob es ein Chinese sänge. So perfekt habe ich das offenbar hinbekommen.
2) Wann und wie kamen Sie zum ersten Mal in Berührung mit China?
Das erste Mal, dass ich in China war, war bei unserem Konzert in Kanton. Aber ich muss sagen, dass ich schon seit meiner Kindheit mit China in Berührung stehe. Meine Eltern hatten mir ein großes Bilderbuch mit vielen chinesischen Motiven geschenkt. Das hat mich so stark beeinflusst, dass später im Internat mein Kunstlehrer gar nicht verstand, warum in meinen Bildern soviel gelb und rot zu finden war. In meinem ersten Beruf bin ich Keramik- und Porzellanmeister. Vor 20 Jahren habe ich chinesisches Porzellan gedreht und meine Frau hat chinesische Motive darauf gemalt. Insofern bin ich schon sehr lange - zumindest unbewusst – mit China in Berührung.
3) In welcher Weise hat die Begegnung mit China Ihr Schaffen oder Ihr Leben beeinflusst?
Das Konzert in Kanton hat natürlich meinen Horizont erweitert. Außerdem war ich in Shenyang, und das ist ja auch kein typisches Ziel für Touristen. Da hab ich das normale chinesische Alltagsleben kennengelernt, und das hat mich beeindruckt.
4) Was war Ihr schönstes Erlebnis in China?
Dass ich mit meiner Musik in China auftreten konnte. Als ich vor 30 Jahren anfing, professionell Musik zu machen, hätte ich mir nie träumen lassen, dass mich die Musik nach China tragen würde. Daran musste ich denken, als ich in Kanton auf der Bühne stand. Ich glaube, die Chinesen sind von meiner Musik begeistert, weil sie ja sehr vielfältig und international ist. Ich sammele Musikinstrumente aus aller Welt und da sind auch chinesische dabei. Unsere Musik unterscheidet sich von der normalen Popmusik, das haben die Zuschauer in China auch gespürt.

Auftritt Haindling in Kanton, November 2008, Foto: Frank Hollmann
5) Was war Ihr unerfreulichstes Erlebnis in China?
Ach, die Frage möchte ich lieber ausklammern.
6) Haben Sie eine chinesische Lieblingsspeise?
Vor allem die gedämpften Gerichte in den Bambusschachteln haben mir sehr gut geschmeckt. So eine Schachtel hab ich mir gekauft und jetzt kochen wir auf diese Art häufig daheim. Auch die chinesischen Knödel, die Dumplings, essen wir inzwischen bei uns im Haus. Die chinesische Art, Gemüse zuzubereiten, gefällt mir ebenfalls sehr, gerade angebratenes Gemüse mit Chili.
7) Was ist für Sie „typisch chinesisch“?
Dass Neuerungen in China mit einer für uns Europäer ungewohnten Schnelligkeit umgesetzt werden.
8) Welche Kulturleistung aus China beeindruckt Sie am meisten?
Ich war kürzlich in München in der Ausstellung von Ai Weiwei (艾未未), habe mir Bücher über chinesische Künstler gekauft und Fernsehdokumentationen über sie gesehen. Mich interessieren diese zeitgenössischen Künstler aus China. Viele verknüpfen moderne Malerei mit traditionellen Elementen und machen das sehr frech, das finde ich toll. Wenn ich jetzt nach Peking reisen würde, würde ich wohl nicht die Verbotene Stadt besuchen, sondern mir die Ausstellungen in den Kunsthallen und Galerien anschauen.
9) Mit wem in China würden Sie gerne einen Tag tauschen?
Das kann ich schwer beantworten. Ich kann nur sagen, dass ich gerne das Leben außerhalb der großen Städte mit ihren riesigen Hochhäusern kennenlernen möchte. Ich würde gerne wissen, wie die einfachen Menschen auf dem Land leben.
10) Welche Gewohnheit oder Idee aus China würden Sie gerne in Deutschland übernehmen?
Die Gelassenheit der Menschen. Bei uns haben viele Jugendliche diese Null-Bock-Mentalität, das habe ich in China nicht gesehen. Auch keinen Vandalismus. Das ist mir angenehm aufgefallen, genauso wie die Gymnastik- und Turngeräte in den öffentlichen Parks oder das morgendliche gemeinsame Tai Chi. Und das Rückwärtsgehen. Das mache ich auch oft beim Spazierengehen, das ist gut fürs Gehirn und die Muskulatur. Ich habe das Gefühl, dass das auffrischend wirkt für das Gehirn, das ja sonst immer nur nach vorne blickt. In China ist das Rückwärtsgehen ganz normal und keiner sagt, der spinnt. Das hat mir gefallen.
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Mai 2010
Mai 2010








