10 Fragen an...

In der Rubrik „Zehn Fragen an…“ erzählen bekannte Persönlichkeiten des deutschen und chinesischen Kulturlebens über ihre persönliche Verbindung zum jeweils anderen Land.

Amélie Niermeyer

Amélie Niermeyer © Amélie NiermeyerAmélie Niermeyer, Foto: ML

Amélie Niermeyer wurde 1965 in Bonn geboren und hospitierte nach dem Abitur zunächst am Schauspiel Bonn, wo sie ihre ersten Regiearbeiten durchführte. Auf das Studium der Germanistik in Bonn und München folgte 1989 eine Anstellung als Regieassistentin in Bonn und am Bayerischen Staatsschauspiel München, wo sie 1990 Hausregisseurin wurde. 1992 erhielt sie den Förderpreis für „Frauenforschung und Frauenkultur“ der Stadt München. Im gleichen Jahr wechselte sie als Oberspielleiterin ans Dortmunder Theater. Amélie Niermeyer inszenierte in den folgenden Jahren in München, Weimar, Jakarta, Los Angeles, Hamburg und Berlin. Von 2002 bis 2005 war sie Intendantin am Freiburger Theater. Seit 2006 ist sie Generalintendantin am Düsseldorfer Schauspielhaus, zuständig für 400 Mitarbeiter und einen Etat von 25 Millionen Euro.

Vom 16.-19.10.2009 nahm Amélie Niermeyer an der vom Goethe-Institut (China), dem Düsseldorfer Schauspielhaus und der China Oriental Foundation for Art organisierten Veranstaltung Neue Dramatik: China/Deutschland teil, bei der sie in einem Vortrag die Autorenförderung in Deutschland vorstellte.

1) Womit haben Sie sich in der letzten Zeit beschäftigt?

Mit der Vorbereitung dieses Festivals Neue Dramatik: China / Deutschland hier in Peking. Zusammen mit unserem Dramaturgen Christop Lepschy und der Regisseurin Cao Kefei (曹克非) haben wir die Stücke ausgewählt, die hier präsentiert wurden. Es handelte sich ja um eine Fortsetzung des Festivals, das wir im März in Düsseldorf veranstaltet haben.

2) Wann und wie kamen Sie zum ersten Mal in Berührung mit China?

Natürlich habe ich schon früher über China gelesen und mich für das Land interessiert, weil ich sehr an Südostasien interessiert bin. Aber konkret wurde es mit China eigentlich durch Christoph Lepschy und Cao Kefei, die dieses Projekt initiiert, die Idee in unser Theater getragen und uns dafür fasziniert haben. Vorher hatte ich mich mit der chinesischen Theaterszene nicht beschäftigt.

3) In welcher Weise hat die Begegnung mit China Ihr Schaffen oder Ihr Leben beeinflusst?

Das weiß ich noch nicht. Ich denke zurzeit eher darüber nach, ob es nicht wichtiger ist, dass ein Autor für das Land schreibt, in dem er lebt anstatt für die ganze Welt. Das heißt nicht, dass ich Austausch nicht auch dringend notwendig finde, weil man sich dadurch mit der Kultur von anderen auseinandersetzt und damit natürlich auch wieder mit seiner eigenen, auch in der Abgrenzung. Also ich finde es hier interessant zu sehen, wie konkret chinesische Autoren für ihr Land schreiben und wie wichtig es wäre, dass sie hier aufgeführt würden, was viel zu wenig geschieht. Und ich sehe auch, dass unsere Stücke ebenfalls ganz klar für Deutschland geschrieben und auch nicht leicht übertragbar sind. Dass man aber trotzdem allein durch das Anschauen der anderen Werke sehr viel über sich selber begreift. Das ist das Interessante an diesem Projekt. Es wäre schön, wenn hier in China mehr zeitgenössisches chinesisches Theater entstehen würde.

4) Was war Ihr schönstes Erlebnis in China?

Gestern Mittag im Himmelstempel. Da waren Massen von Menschen, die alle tanzten, eine Mischung aus Tai Qi und Walzer, Alte und Junge und Frauen alleine, es war wie ein Volksfest, wo jeder eingeladen war, mitzutanzen. Das fand ich unheimlich schön.

5) Was war Ihr unerfreulichstes Erlebnis in China?

Gestern war ich auch noch in einem Shopping-Center für Europäer, wo alle mich anfassten und mir was verkaufen wollten - da fühlte ich mich sehr genötigt. Was ich sonst an Asien mag – eine gewisse Distanz und Respekt vor dem andern - das war dort in jeder Hinsicht aufgehoben.

6) Haben Sie eine chinesische Lieblingsspeise?

Noch nicht. Aber ich mag gerne das vegetarische chinesische Essen, also Tofu.

7) Was ist für Sie „typisch chinesisch“?

Viel Lachen, viel Grinsen. Dass man Kritik mit einem Lächeln äußern kann, das finde ich etwas sehr Schönes.

8) Welche Kulturleistung aus China beeindruckt Sie am meisten?

Momentan vor allem die Kunst. Vielleicht weil wir in Deutschland zur Zeit am meisten mit Gegenwartskunst aus China konfrontiert werden. Wenn ich zurück in Deutschland bin, werde ich sicher auch mehr chinesische Literatur lesen.

9) Mit wem in China würden Sie gerne einen Tag tauschen?

Ich würde gerne mal das Leben von Cao Kefei kennenlernen: Wie sie lebt und wie sie arbeitet, wie sie das mit ihren Kindern macht. Sie ist eine Frau, die an einem ähnlichen Punkt im Leben ist, die auch viel erreicht hat und eine Familie hat und das allein managt.

10) Welche Gewohnheit oder Idee aus China würden Sie gerne in Deutschland übernehmen?

Ja, vielleicht das nicht so Verbissene. Wir sind in Deutschland schon sehr verbissen und besserwisserisch. Das mag ich hier sehr, dass man irgendwie auch den andern mehr lässt wie er ist.
Copyright: Deutsch-Chinesisches Kulturnetz
November 2009
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