10 Fragen an...

In der Rubrik „Zehn Fragen an…“ erzählen bekannte Persönlichkeiten des deutschen und chinesischen Kulturlebens über ihre persönliche Verbindung zum jeweils anderen Land.

Esther Haubensack

Esther Haubensack © www.dezhongtongxing.com

Esther Haubensack studierte von 1990 bis 1997 an der Universität München u.a. Linguistik und Sinologie. Während ihres Studiums an der Peking Universität (1992-1994) begann sie bei Ding Guangquan (丁广泉) die Bühnenkunst des „Komischen Dialogs“ zu erlernen und trat 1993 erstmals auf der Bühne auf. Ihr Erfolg war so groß, dass sie danach in allen Semesterferien nach China fuhr, um an Bühnenshows im ganzen Land teilzunehmen. Aus dieser Zeit ist sie noch vielen chinesischen Fernsehzuschauern bekannt. Nach ihrem Studium ging sie – nach einem kurzen Aufenthalt in Korea – auf Empfehlung ihres Lehrers nach Kanton, um eine Reisesendung zu moderieren. Es folgten Musiksendungen und seit 2002 die Hauptrolle der amerikanischen Ehefrau Diana in der Fernsehserie Auswärtige Ehefrau, einheimischer Ehemann, die vor allem in Guangdong bekannt und beliebt ist.

Esther Haubensack lebt mit ihrem Mann, der aus Peking stammt, und ihrem Sohn in Kanton. Im November 2008 moderierte sie die Deutschlandpromenade zur großen Freude des Publikums in fließendem Kantonesisch.

1) Womit haben Sie sich in der letzten Zeit beschäftigt?

Im Juni war ich Moderatorin auf der Musikbühne bei der Deutsch-Chinesischen Promenade in Shenyang. Ansonsten habe ich immer kleine Aufträge, die dann aber auch immer gleich abgeschlossen sind, alles sehr kurzfristig, da was moderieren, da eine Fernsehserie. Ansonsten kümmere ich mich um meine Familie, hauptsächlich um meinen Sohn.

2) Wann und wie kamen Sie zum ersten Mal in Berührung mit China?

An der Uni war ich für Linguistik eingeschrieben und habe dabei viele Nebenfächer gleichzeitig studiert, Hindi, ein bisschen Persisch, Japanisch, Koreanisch. Chinesisch passte gerade noch so in meinen Zeitplan rein, weil ich Pendlerin war, und da will man den Tag möglichst ausgefüllt haben. Und da habe ich mir gedacht, och, das höre ich mir mal an und dann bin ich dabei hängen geblieben. Das war also eigentlich Zufall. Es lag rein am Angebot an der Uni und daran, dass die Sinologie in München echt gut war im Vergleich zu manchen anderen Fächern.

3) In welcher Weise hat die Begegnung mit China Ihr Schaffen oder Ihr Leben beeinflusst?

Beides wurde beeinflusst: Schaffen und Leben. Wenn ich in Deutschland geblieben wäre, dann wäre ich wahrscheinlich an der Uni geblieben. Ja, ich bin gerne in der Bibliothek und bei den Büchern und wäre von mir aus nicht diesen Weg gegangen. Es war Zufall, dass ich hier war und es von außen an mich herangetragen wurde, auf der Bühne Sketche aufzuführen. Von daher kennen mich die Leute hier auch. Und dann auch natürlich privat.

4) Was war Ihr schönstes Erlebnis in China?

Das ist ein bisschen schwierig, denn ich bin schon ein bisschen abgebrüht. In meiner Studienzeit hier war ich natürlich enthusiastisch, aber daran kann ich mich schon gar nicht mehr erinnern.

5) Was war Ihr unerfreulichstes Erlebnis in China?

Das Unerfreulichste - man will also die Extreme wissen. Also wenn man beide Extreme will, dann war das Glücklichste und Unglücklichste die Geburt meines Sohnes in einem chinesischen Krankenhaus in Kanton; das ist beides gleichzeitig. Einerseits fühlte ich mich im Krankenhaus wie am Fließband behandelt und die Privatsphäre wurde auch nicht so gewahrt, das war schon teilweise sehr unangenehm. Man teilte den Raum mit vier weiteren Frauen und ihren Babys. Andererseits war die medizinische Versorgung vollkommen in Ordnung, das wurde mir auch in Deutschland bestätigt. Toll war auch, dass der Mann bei der Geburt dabei sein konnte - oder sogar sollte.

6) Haben Sie eine chinesische Lieblingsspeise?

Alles, was mein Mann kocht, er kann verschiedene Spezialitäten. Er mag es gerne scharf und kocht gerne sichuanesisch, hunanesisch oder auch koreanisch. Oder eben Mehlspeisen, wie man sie im Norden Chinas hat. Und ja, das ist einfach hervorragend.

7) Was ist für Sie „typisch chinesisch“?

Typisch chinesisch? Dass man alles zusammen macht und nichts alleine, das ist z.B. was typisch Chinesisches. Immer in Gesellschaft, immer zusammen. Und wenn man auch was Eigenes denkt, dann das lieber nicht sagen, sondern das sagen, was man meint, das die anderen denken, das man sagen soll - und nicht unbedingt das, was das Gegenüber hören will.

8) Welche Kulturleistung aus China beeindruckt Sie am meisten?

Die Schrift. Als Sprachexpertin gefällt mir besonders die Kalligrafie. Und die traditionelle Malerei, die mit einfachen Mitteln so lebhafte Darstellungen schafft.

9) Mit wem in China würden Sie gerne einen Tag tauschen?

Wieder so eine schwierige Frage! Natürlich würde ich in meinen Mann reinschlüpfen wollen. Ja, von berühmten Persönlichkeiten würde mich jetzt niemand Spezielles interessieren, da würde ich nicht einen Tag hergeben. Aber für meinen Mann würde ich gerne einen Tag opfern, damit ich Dinge aus seiner Sicht sehen kann.

10) Welche Gewohnheit oder Idee aus China würden Sie gerne in Deutschland übernehmen?

Die Stäbchen.
Copyright: Deutsch-Chinesisches Kulturnetz
Juli 2009
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