Martin und Margarete Kummer


Martin und Margarete Kummer 2006
Martin und Margarete Kummer, geb. 1939 und 1942, leben in Hamburg. Martin Kummer arbeitete als Ressortleiter bei Tages- und Boulevardzeitungen sowie Illustrierten, u.a. im Axel Springer Verlag, während der letzten 15 Jahre als stellvertretender Chefredakteur. Er ist begeisterter Hobbyfotograf. Seine Frau Margarete Kummer arbeitete als Kolumnistin für die Hamburger Morgenpost und als Redakteurin beim Hamburger Abendblatt. Seit 2007 ist sie freie Journalistin und Autorin. Im Rahmen der China Time in Hamburg wurden vom 8. August bis 28. September 2008 Fotografien der beiden in der Ausstellung Maos Reich und China heute gezeigt. Die „Medienbotschafterin“ Xu Bei aus Peking stellte den beiden aus diesem Anlass 10 Fragen an…
1) Womit haben Sie sich in der letzten Zeit beschäftigt?
Mit der Realisierung unserer Ausstellung Maos Reich und China heute – 30 Jahre erfolgreiche Reform- und Öffnungspolitik in der Volksrepublik China auf dem weltgrößten, fahrfähigen Museumsschiff Cap San Diego im Hamburger Hafen. Außerdem sind wir mit der redaktionellen Produktion unseres Magazins China Special - Maos Reich und China heute, das 134 Seiten mit 240 Schwarzweiß- und Farbfotos und 28 Reportagen umfasst, beschäftigt.
2) Wann und wie kamen Sie zum ersten Mal in Berührung mit China?
Martin Kummer: Zuerst in der Schule und dann auch im journalistischen Alltag: Ende 1975 wurde ich als stellvertretender Ressortleiter für Nachrichten und Politik bei der Hamburger Morgenpost gefragt, ob ich an einer Reise in die Volksrepublik China im Jahr 1976 interessiert sei. Meine Chance: Ich sollte als Journalist eine kleine Gruppe norddeutscher Politiker begleiten und sagte sofort „Ja!“.
Von diesem Augenblick an erarbeiteten meine Frau Margarete und ich intensiv an Themen über China – vom Alltag der Menschen bis hin zu Mao Zedong, seiner KPCH, seiner Politik und ihren Folgen. In Archiven, bei Institutionen, bei in Deutschland lebenden Chinesen und bei Unternehmen, die mit China in Verbindung standen, beschafften wir uns alle nur erreichbaren Informationen. Mit diesem Wissen war es mir möglich, in China gezielter zu recherchieren, Fragen zu stellen und zu beobachten.
3) In welcher Weise hat die Begegnung mit China Ihr Schaffen oder Ihr Leben beeinflusst?
Martin Kummer: Nach meiner Rückkehr schrieb ich nicht nur China-Reportagen mit dem gesamten Spektrum der erarbeiteten Themen, sondern China rückte auch in meinen persönlichen und journalistischen Fokus. So ließ ich mir sofort nach meiner Rückkehr wöchentlich die Beijing Rundschau und monatlich die Illustrierte China im Bild schicken. Von diesem Zeitpunkt an schrieb und bearbeitete ich China-Themen in meiner Zeitung, zum Beispiel auch über Maos Tod am 9. September 1976.
Alles, was wir über China lesen und sehen können, nehmen wir in uns auf. Wir besuchen – wo immer möglich – im In- und Ausland China-Ausstellungen, wie z.B. im „British Museum“ in London die The First Emperor: China’s Terracotta Army im September 2007.
4) Was war Ihr schönstes Erlebnis in China?
Die Freundlichkeit der Menschen, ihre Herzlichkeit. 2006 lud uns in Shanghai unsere noch unverheiratete Dolmetscherin Xu Rongrg zu sich und ihren Eltern nach Hause ein. Es wurde ein unvergesslicher Besuch.
5) Was war Ihr unerfreulichstes Erlebnis in China?
Martin Kummer: Als ich am 5. April 1976 beim Aufruhr der „Rechtsabweichler“ zwischen Hunderttausenden Menschen auf dem „Platz des Himmlischen Friedens“ im Herzen Beijings fotografierte und als „russischer Spion“ verdächtigt bedroht und niedergeschlagen wurde. Persönlich hatte ich große Angst, journalistisch aber hatte ich für Deutschland eine exklusive Top-Story. Und das machte mich dann schließlich doch glücklich.

Martin und Margarete Kummer (mit Sohn) 1976
6) Haben Sie eine chinesische Lieblingsspeise?
Margarete Kummer: Dim Sum.
Martin Kummer: Alles mit Riesen-Shrimps, Fisch und Pilzen.
7) Was ist für Sie „typisch chinesisch“?
Der ausgeprägte Familiensinn: Eltern umsorgen ihre Kinder, später umsorgen die Kinder ihre alten Eltern.
8) Welche Kulturleistung aus China beeindruckt Sie am meisten?
Martin Kummer: Die Lehren und Weisheiten des chinesischen Philosophen Konfuzius, die ein ganzes Volk bis heute positiv beeinflussen und die Loslösung von wichtigen Lehren Mao Zedongs durch Deng Xiaoping von 1978 an.
Margarete Kummer: Die chinesischen Schriftzeichen und die Kalligraphie.
9) Mit wem in China würden Sie gerne einen Tag tauschen?
Martin Kummer: Staats- und Parteichef Hu Jintao.
Margarete Kummer: Restaurantköchin in Guangzhou.
10) Welche Gewohnheit oder Idee aus China würden Sie gerne in Deutschland übernehmen?
Den Fleiß des Einzelnen und der Gruppe, den Ehrgeiz der Eltern und Kinder, den sozialen Aufstieg zu schaffen. Das gemeinsame Essen mit der Familie, mit Freunden und mit Kollegen. Das Körperbewusstsein, die Fröhlichkeit und die Gelassenheit.
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Oktober 2008
Oktober 2008








