Tim Ovens


Tim Ovens, deutscher Pianist und Klavierpädagoge; geboren in Flensburg, Studium in Hannover und Wien. Sein Repertoire an Klaviermusik umspannt Jahrhunderte und Kontinente: Von Bach zu John Cage, von Schumann zu Li Yinghai. Seit 1988 lehrt Tim Ovens an der Hochschule für Musik und Theater Hannover.
1. Womit haben Sie sich in der letzten Zeit beschäftigt?
Ich bin vor einigen Tagen von einem Aufenthalt am China Conservatory in Peking, wo ich im Rahmen meiner Gastprofessur eine zweiwöchige Meisterklasse für Klavier unterrichtet habe, zurückgekehrt.
2. Wann und wie kamen Sie zum ersten Mal in Berührung mit China?
Circa 1982 freundete ich mich mit Yang Liqing, dem heutigen Präsidenten des Shanghai Conservatory of Music, an. Damals hatte er im Alter von über 40 Jahren die Gelegenheit, nach der Kulturrevolution als einer der ersten auf westlich klassische Musik ausgerichteten Musiker in den Westen zu gehen, um seine Kenntnisse wieder auf den aktuellen Stand zu bringen. Er kam nach Hannover, wo ich seinerzeit studierte. Nach seiner Rückkehr nach China blieben wir in stetem brieflichen Kontakt. Nach Abschluss meines Studiums vermittelte Yang Liqing mir die Möglichkeit, für ein Jahr, von 1987 bis 1988, nach China zu gehen, wo ich an fünf Musikhochschulen lehrte, unter anderem in Peking am Central Conservatory und am Shanghai Conservatory of Music.
3. In welcher Weise hat die Begegnung mit China Ihr Schaffen oder Ihr Leben beeinflusst?
Bei meinem ersten einjährigen Aufenthalt war ich 26 Jahre alt, neugierig, offen. Dieses Jahr hat mich für mein Leben beeinflusst im Verständnis meiner selbst, der westlichen Kultur, die ich aus dem Abstand heraus noch mehr schätzen und lieben lernte, und natürlich nicht zuletzt im Verständnis der chinesischen Kultur. Davon abgesehen wurden regelmäßige Aufenthalte in China (mittlerweile bis zu zweimal jährlich) wesentlicher Bestandteil meines Lebens.
4. Was war Ihr schönstes Erlebnis in China?
Eine Nacht im Jahr 1987, die ich mit Freunden beim Mahjong-Spiel verbrachte. Unvergesslich die Stimmung auf dem Rückweg in meine Wohnung auf dem Hochschulgelände. Es war sechs Uhr morgens. Zum Morgenappell und als Aufruf zum Frühsport tönte die chinesische Nationalhymne blechern über das Gelände.
5. Was war Ihr unerfreulichstes Erlebnis in China?
Ich litt darunter, dass in meinem Jahr in China die Post aus Deutschland immer nur alle paar Wochen – und dann gebündelt – kam. Die wurde damals nämlich erst an verantwortlicher Stelle gesammelt und auf regimekritische Äußerungen hin gelesen.
6. Haben Sie eine chinesische Lieblingsspeise?
Jiaozi.
7. Was ist für Sie „typisch chinesisch“?
Die Mischung von Emsigkeit und Fröhlichkeit.
8. Welche Kulturleistung aus China beeindruckt Sie am meisten?
Der Himmelstempel in Peking sowie die – soweit sie denn erhalten sind – Teehäuser, zum Beispiel das Teehaus im Renmin Park in Chengdu.
9. Mit wem in China würden Sie gerne einen Tag tauschen?
Mit einem Teeprüfer auf einer wirklich guten Teeplantage.
10. Welche Gewohnheit oder Idee aus China würden Sie gerne in Deutschland übernehmen?
Die Bedeutung und Vielfalt des Essens und die Freude am Essen.
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November 2007
November 2007














