Die Robert Bosch Stiftung: Schwerpunkt Verständigung


Die Robert Bosch Stiftung in Stuttgart, Foto: Peter Walser
Das Hauptbüro der Robert Bosch Stiftung in Stuttgart residiert auf großzügigem Parkgelände umgeben von einer hohen Mauer. Hat man das Eingangstor passiert, so fällt der Blick auf die repräsentative Villa des Firmengründers Robert Bosch aus dem Jahre 1913. Daneben erstreckt sich ein dezent in den Hang unterhalb der Villa eingefügter Neubau. Hier arbeitet die Robert Bosch Stiftung: eine der großen privaten Stiftungen in Deutschland, die auf dem Vermächtnis eines gemeinnützig denkenden Unternehmers beruht. Traditionell fördert die Robert Bosch Stiftung Projekte in den Bereichen Völkerverständigung, Gesundheit und Bildung – wobei ein besonderer Akzent auf den Beziehungen zwischen Deutschland und seinen Nachbarstaaten in Mittel- und Osteuropa liegt.
China-Engagement
Mitte 2007 kam China als eigener Schwerpunkt hinzu. Seitdem entwickelt die Robert Bosch Stiftung eigene Programme in und mit China, unterstützt Einzelprojekte, kooperiert aber auch mit anderen Partnern – wie beispielsweise mit dem Goethe-Institut bei der Einrichtung des Online-Portals „Deutsch-Chinesisches Kulturnetz“. Gefördert werden Projekte und Programme, die sich der Sprach- und Kulturvermittlung, den Bereichen Politik und Bürgergesellschaft, Internationaler Austausch und Mediendialog widmen.
Die Stiftung als Kulturvermittler
Darunter fällt etwa ein Förderprogramm für Literatur-Übersetzer („Literarische Brückenbauer“), das professionellen chinesischen Übersetzern beispielsweise die Teilnahme an einer zehntägigen Internationalen Übersetzerwerkstatt am Literarischen Colloquium in Berlin ermöglicht. Dort können sie sich mit neuen Tendenzen in der deutschsprachigen Gegenwartsliteratur vertraut machen und nützliche Kontakte zu Übersetzern anderer Nationen, Literaturkritikern und Verlagen knüpfen. Recherchestipendien für China wiederum können deutsche Autoren, die eine Veröffentlichung planen, im Rahmen eines mit dem Literarischen Colloquium Berlin gemeinsam angebotenen „Grenzgänger“-Programms beantragen.
Medien als deutsch-chinesische Botschafter
Der Tatsache, dass Chinesen und Deutsche aktuelle – und nicht immer zutreffende - Informationen über das jeweils andere Land meist erst einmal aus dem Fernsehen, dem Internet oder Zeitungen und Zeitschriften beziehen, tragen spezielle Programme für jüngere Journalisten Rechnung: Während sich das Programm „Journalisten vor Ort“ an Projektgruppen und Vereine wendet, die beispielsweise Recherchereisen, Medienprojekte und Konferenzen in China planen, so richtet sich das Programm „Medienbotschafter“ an einzelne Journalisten unterschiedlicher Medien aus China und Deutschland. Chinesische Journalistinnen und Journalisten werden dabei nach Hamburg eingeladen und absolvieren einen einmonatigen Vorbereitungskurs an der Hamburg Media School, wo ihnen u.a. landeskundliche Kenntnisse vermittelt werden. Anschließend haben sie Gelegenheit, die deutschen Medien und ihre Arbeitsweise näher kennenzulernen, indem sie in deutschen Redaktionen zwei Monate lang als Hospitanten mitarbeiten. Ein solches Stipendium steht übrigens nicht nur fest etablierten Redakteuren in großen Medienorganisationen der VR China offen, sondern auch chinesischen Journalisten, die freiberuflich für Zeitungen, Online-Medien, Fernsehen oder Hörfunk tätig sind. Voraussetzung ist allerdings, dass sie die deutsche Sprache beherrschen. Umgekehrt können sich auch deutsche Journalistinnen und Journalisten für ein Arbeitsstipendium in China bewerben. Auch sie werden – nach einem Vorbereitungskurs – in Medienredaktionen in Peking und Shanghai mitarbeiten. „Ziel des Programms ist es, Klischees und Missverständnisse abzubauen“, erläutert Marc Bermann, der bei der Robert Bosch Stiftung als Projektleiter für die deutsch-chinesischen Beziehungen zuständig ist. Und dieses Ziel erreiche man eben nur, wenn man sich auf beiden Seiten intensiver mit dem jeweiligen Land, seiner Kultur und Geschichte beschäftige. Eine spannende Erfahrung angesichts der so fundamental unterschiedlichen Mediensysteme!
Lektoren und Wissenschafts-„Brücken“
Ein unmittelbares Bild von China können sich Absolventen der Geistes- und Sozialwissenschaften deutscher Universitäten machen, die mit einem Stipendium versehen für ein oder zwei Jahre an chinesischen Partneruniversitäten unterrichten. Marc Bermann betont, dass sich dieses Lektorenprogramm der Robert Bosch Stiftung von den akademischen Programmen anderer deutscher Institutionen unterscheide. „Bosch“-Lektorinnen und Lektoren unterrichten zwar Deutsch, Landeskunde oder aktuelle Themen in anderen Fächern –sie lernen außerdem aber noch Chinesisch und sollen – in Absprache mit der jeweiligen chinesischen Gast-Universität – eigene Projekte ins Leben rufen, die ihren Gastgebern Deutschland nahebringen: sei es nun durch die Organisation eines Filmclubs oder durch soziales Engagement. So sollen sie zunächst eine „Botschafterrolle“ für Deutschland in China einnehmen und nach ihrer Rückkehr nach Deutschland als „Botschafter“ ihres Gastlandes fungieren. Ein weiteres besonderes Merkmal des Robert Bosch Lektorenprogramms ist sein Weiterbildungscharakter. Programmteilnehmer qualifizieren sich berufsbegleitend in einem von drei Profilen: Bildungsmanagement, Erwachsenenbildung oder Organisationsentwicklung. Anfang 2009 arbeiteten vier Lektoren in China – und zwar in Regionen, die von deutschen Austauschakademikern eher weniger frequentiert werden: in Xi'an, Nanjing, Guilin und Kunming.
Die deutsch-chinesische Zusammenarbeit im Bereich naturwissenschaftlicher Forschung fördert die Robert Bosch Stiftung mit ihrem Programm „Wissenschaftsbrücke China“: Stipendien ermöglichen dabei deutschen und chinesischen Wissenschaftlern, gemeinsam an einem Forschungsprojekt zu arbeiten. Kontakte zwischen Wissenschaftlern beider Länder, die sich mit der nachhaltigen Nutzung natürlicher Ressourcen befassen, unterstützt die Stiftung im Rahmen ihres Programms „Sustainable Partners – Partners for Sustainability“.
Initiativen und Perspektiven
All diese Programme freilich, spiegeln nur einen Teil der Stiftungsaktivitäten wider: Ob Chinesischunterricht an Gymnasien, chinesische Literaturtage in Hamburg, die Beteiligung an der in China gastierenden Veranstaltungsreihe „Deutschland und China – gemeinsam in Bewegung“, die Organisation eines Jugendaustausches, oder die Veröffentlichung chinesischer Gedichte auf Plakatwänden anlässlich der kommenden Frankfurter Buchmessen: Hinter all diesen Initiativen steht das Ziel, Perspektiven zu eröffnen: für weitere Begegnungen, für tiefere Erkenntnisse über das jeweils andere Land und für die produktive Zusammenarbeit zwischen Chinesen und Deutschen.
Text: Dr. Dagmar Lorenz
Sinologin, Literaturwissenschaftlerin und Publizistin
März 2009
Sinologin, Literaturwissenschaftlerin und Publizistin
März 2009









