Querbeet

Gefälschte Antiquitäten: Nachfrage schafft Angebot

Figur eines Trommlers © Museum für Asiatische Kunst Ostasiatische Sammlung Berlin
Figur eines Trommlers. Ton. H. 48 cm. Östliche Han-Dynastie © Museum für Asiatische Kunst
Im Berliner Museum für Asiatische Kunst findet derzeit eine Ausstellung mit dem Titel Die Kunst des Fälschens - untersucht und aufgedeckt statt, die gewiss nicht wenig Mut seitens der Veranstalter verlangt. Welcher Kunstexperte gibt schon gerne zu, dass ihn Fälscher übers Ohr gehauen haben? Das Problem der Fälschungen betrifft natürlich keineswegs nur Artikel aus China. Es scheint aber so gravierend geworden zu sein, dass man mit dieser Ausstellung einmal den Gesichtsverlust hinnimmt, um weiteren Schaden im Interesse aller abzuwenden. Am Beispiel eines gefälschten Trommlers (Shuochangyong) aus der Östlichen Han-Dynastie demonstriert die Ausstellung Methoden des Fälschens und solche der Enttarnung.

Figur eines Trommlers © Museum für Asiatische Kunst Ostasiatische Sammlung Berlin
Ein echter Shuochangyong
Figur eines Trommlers.
Ton. H. 48 cm.
Östliche Han-Dynastie
Gezeigt werden in einer Sonderschau gefälschte Kunstwerke aus China, von der gemalten Landschaft nach Wu Zhen (1280-1354) bis zur spektakulären Tonfigur eines Shuochangyong. Dieser Trommler ist nicht, wie man dem privaten Sammler vor einigen Jahren glaubhaft machte, 2200 Jahre alt und aus der Östlichen Han-Dynastie stammend, sondern Produkt einer modernen Fälscherwerkstatt unseres 21. Jahrhunderts.

Wissenschaftlich nachgewiesen hat das die Berliner Restauratorin Juliane Bernegg mit ihrem Team und mithilfe von Röntgentechnik und Computertomographie, nachdem durch stilistische Vergleiche erste Zweifel an der Echtheit aufgekommen waren. Der Berliner Shuochangyong ist im Vergleich zu einem der echten, plastisch durchgestalteten Trommler ein recht plumpes Stück.

Fälschung eines Shuochangyong.Gebrannter Ton und Bindemittel. Reste von Bemalung. Foto: Juliane Bernegg
Gebrannter Ton und Bindemittel.
Reste von Bemalung.
Foto: Juliane Bernegg
High-Tech-Verfahren für Experten

Wenn die Fälscher des 20. Jahrhunderts nicht an die künstlerisch-technische Qualität der alten chinesischen Bildhauer herankommen, liegt das nicht an mangelnden Fähigkeiten. Es ist schlicht eine Frage der Materialien. Sie gestalten nämlich nicht mit weichem Ton, sondern mit harten Scherben, die so zurechtgeschnitten werden, dass man mit ihnen eine Figur grob zusammenfügen kann. Die Methode ist hochentwickelt und sinnreich, denn die Scherben und der Überzug aus Tonpulver sind aus echtem Material, sie stammen tatsächlich aus der Zeit der Östlichen Han-Dynastie. Wenn die Experten mit der bis vor kurzem maßgeblichen Methode der Thermolumineszenz das Alter des Objektes überprüfen, ergeben die entnommenen Stichproben ein positives Ergebnis. So geschehen mit dem Berliner Trommler, der 1999 sein Echtheitszertifikat von einem privaten deutschen Thermolumineszenz-Labor und 2002 von einer britischen Institution erhalten hatte.

Computertomographie. Deutlich sichtbar die Fugen der Scherben. Foto: Dr. med Hans-Ulrich Kroll
Computertomographie.
Deutlich sichtbar die Fugen
der Scherben.
Aufnahme:
Dr. med Hans-Ulrich Kroll
Für die Berliner Restauratorin Juliane Bernegg hatten schon die Dicke der Ränder und diverse optische Spuren von Kunststoffmaterial den Verdacht einer Fälschung erhärtet. Gewissheit jedoch ergab erst eine Röntgenaufnahme im Museum für Vor- und Frühgeschichte, den letzten Beweis erbrachte eine Computertomographie. Für Frau Bernegg steht in Sachen Echtheitsbeweis fest: „Die Thermolumineszenz-Analyse zur Altersbestimmung von Keramiken und Terrakotten reicht nicht mehr aus." Da es außerdem noch ein zweites Fälscherverfahren gibt, das mittels Pulverisierung von Originalmaterial sogar vollständig fugenlose Fälschungen ermöglicht, ist allerletzte Gewissheit nur mittels chemischer Bindemittelanalyse zu erhalten. Frau Bernegg hat die Berliner Gauklerfigur nun halbseitig freigelegt. So steht sie in der Ausstellung als überzeugender Beweis vom hohen Können der Fälscher wie auch dem der Experten.

Halbseitig entblößt steht der Shuochangyong nun im Berliner Museum für Asiatische Kunst. Foto: Museum für Asiatische Kunst
Die Wahrheit kommt ans Licht
Legende: Halbseitig entblößt
steht er nun im
Berliner Museum für
Asiatische Kunst.
Foto: Museum für Asiatische Kunst
Sammlergier ist keine Zier

Der Trommler ist das zentrale Beispiel der Ausstellung in Berlin, die noch zahlreiche andere Objekte umfasst, vor allem aus Ton und Keramik. Dass ein Museum für eine solche Ausstellung Mut braucht, spürt man vor einer Reihe von Stücken, bei denen die Besucher aufgefordert werden, Original oder Fälschung zu erkennen. Spätestens jetzt nämlich wird dem naiven Kunstbetrachter klar, dass er sicher schon in einigen Museen vor Kunstwerken gestaunt hat, ohne diese als Fälschungen zu erkennen – und zwar nach den Experten, Sammlern und Kuratoren, die es eben auch nicht gemerkt haben.

Dazu der Leiter des Museums, Professor Willibald Veit: „Im Zusammenhang mit dem Trommler sei auf ein Phänomen des chinesischen Antiquitätenmarktes hingewiesen, das den gierigen Sammler und Trouvaillenjäger immer wieder zum Verlierer werden lässt. Die Innovationsfreude chinesischer Fälscher und ihre rasche Reaktion auf die sich verändernde Nachfrage, ausgelöst unter anderem durch die ungemein rege Publikationstätigkeit der chinesischen Archäologie, lässt diesen Sammlern gar keine Zeit zum sorgfältigen Überlegen und Abwägen." Die Zeit sollte man sich nehmen.

Die Ausstellung Die Kunst des Fälschens - untersucht und aufgedeckt ist vom 7. Dezember 2007 bis 12. Mai 2008 im Museum Dahlem, Museum für Asiatische Kunst, in Berlin zu sehen.


Publikation: Die Kunst des Fälschens untersucht und aufgedeckt. Museum für Asiatische Kunst Ostasiatische Sammlung Berlin. Katalog mit 48 A4-Seiten zur Ausstellung vom 7. Dez. 2007 bis 24. März 2008. Mit einem Vorwort von Willibald Veit und Aufsätzen von Juliane Bernegg, Christian Goedicke und Robert Neunteufel. ISBN 978-3-88609-608-4
Text: Martin Zähringer,
freier Journalist, Berlin
Copyright: Deutsch-Chinesisches Kulturnetz
Februar 2008
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