Querbeet

Die Nanjinger flanieren über die Deutschlandpromenade: Begegnungen im Bierdunst

DuCDeutschlandpromenade Nanjing, Copyright: Goethe-InstitutZwischen dem 19. und dem 27. Oktober 2007 wurde auf dem Daxinggong-Platz in Nanjing jeden Abend ein rauschendes Fest gefeiert. Der chinesische Platz hatte sich seit Beginn der Veranstaltungsreihe Deutschlandpromenade in einen Ort deutscher Kultur verwandelt. Von hier aus wurden deutsches Flair und die chinesisch-deutsche Freundschaft in die Stadt getragen und zogen immer mehr Bewohner Nanjings in ihren Bann.

Ich besuchte den Ort des Geschehens an einem Wochenende. Der Duft von deutschem Bier und Gegrilltem hing in der Luft und überall standen Menschen in Gruppen zusammen und unterhielten sich ausgelassen. Die Nanjinger schlenderten zwischen den Open-Air-Veranstaltungen, dem Kunstpavillon, der Architekturausstellung und dem Biergarten umher und ließen sich einen Abend lang vom deutschen Flair in den Bann ziehen.

Deutschlandpromenade Nanjing, Copyright: Goethe-InstitutBegeisterte Stimmung beim Open-Air

Der Musikers Adrian Oswalt hinterließ mit seinen zwei Drehleiern bei den Besuchern der Open-Air-Events bestimmt einen bleibenden Eindruck. Im Einklang mit Volumen und Baujahr der Musikinstrumente hatte Adrian sie ironisch Mama und Papa getauft. Wenn Adrian mit der rechten Hand die Kurbel des Instruments in Bewegung setzte, erklang deutsches Liedgut und wurde mit dem Klatschen der Zuhörer belohnt.

Dann wurde ein Junge aus Nanjing von der Moderatorin auf die Bühne geholt. Er sollte unter Adrians Anweisungen lernen, die Drehorgel zu bedienen. Adrian prüfte erst seinen Bizeps und nickte zufrieden – denn Muckis braucht man schon, wenn man der Drehleier Töne entlocken will. Dann holte der Kleine Schwung, riss an der Kurbel und brachte das vormals melodische Stück zum jaulen – Gelächter aus dem Publikum. Erst nach geduldiger Unterweisung durch den Musiker und einigem Üben bekam der Junge langsam ein Gefühl für das Gerät. „Ein super Gefühl!", meinte der Junge enthusiastisch, als man ihn nach seiner ersten Tuchfühlung mit der Drehorgel befragte.

Deutschlandpromenade Nanjing, Copyright: Goethe-InstitutAn jenem Abend fanden sich viele Nanjinger zu den Open-Air-Konzerten ein. Auch wenn die meisten keinen Sitzplatz hatten, schauten sie doch für einige Stunden gebannt zu. Väter hatten sich ihre Kinder auf die Schultern gesetzt und viele Leute zückten ihre Kameras für ein schönes Erinnerungsbild.

Über der Bühne waren Großleinwände angebracht, so dass auch ältere Leute, die in einiger Entfernung saßen, das Geschehen noch gut verfolgen konnten. Über die hervoragende Bildqualität und die gute Sicht freute sich auch die 68-jährige Rentnerin Zhang Zhiying, solche Aufführungen habe es früher doch gar nicht gegeben, meint sie, „das ist für mich hier etwas ganz Neues."

Minuspunkte für hohe Preise

An verschiedenen Ecken des Platzes waren Essenszelte aufgestellt. Hier konnten die Besucher sich an deutschem Bier und Spezialitäten laben. Vor einem Stand, dessen Schild unter anderem Würste von Schwein und Rind sowie Rippchen ankündigte, hatte sich schon eine lange Schlange gebildet. Für ein Würstchen musste man 15 Yuan (1,50 Euro) hinlegen, und Rippchen kosteten gar 25 Yuan. Trotzdem hatten die Grillschwaden viele Nanjinger angezogen. Das Geld für die Würstchen konnte man ja gerade noch verkraften, schließlich bekam man dafür etwas zwischen die Zähne, und nach zweien war man auch satt, aber die Preise für Getränke, den Leberkäse oder einen Obstsalat grenzten an Unverschämtheit. Eine gewöhnliche Cola sollte 10 Yuan kosten und für einen Apfelsaft verlangte man ein Vielfaches des Preises im Supermarkt.

Deutschlandpromenade Nanjing: BASF Kids-Lab, Copyright: Goethe-InstitutReges Interesse an deutscher Lebensart

Der Kunstpavillon und die Architekturausstellung waren Publikumsmagneten. Bei den kleinen Besuchern war das Kids-lab im BASF-Pavillon sehr beliebt. In speziell auf sie zugeschnittenen chemischen Demonstrationen sollte den Kindern das Konzept der nachhaltigen Entwicklung vermittelt werden, welches in den letzten Jahren auch von der chinesischen Regierung stark propagiert wird. Das Interesse der Erwachsenen richtete sich eher auf die Firmenkultur einiger führender deutscher Unternehmen oder auf die Präsentation moderner Technologien. So war der Siemens-Pavillon gut besucht.

Qian, ein postgraduierter Student der Universität Nanjing, fand die Werbemaßnahmen für die Deutschlandpromenade an seiner Hochschule sehr gelungen: „Die Werbefolder sind gut gemacht. Viele meiner Kommilitonen haben, nachdem sie die Portraits der deutschen Spitzenunternehmen gelesen haben, den Weg hierher gefunden. Der Arbeitsmarkt ist für uns alle ein wichtiges Thema und jeder versucht, Einblick in die Unternehmenskultur großer Firmen zu erhalten. Für das eigene Weiterkommen in der Zukunft kann das von Vorteil sein." Herr Wang, ein Kommilitone von Qian ergänzt, sie seien auch sehr daran interessiert, mehr über die deutsche Lebensart zu erfahren. „Die Deutschlandpromenade könnte noch etwas interaktiver gestaltet sein. Das Angebot für die Kinder ist nicht schlecht, aber für Erwachsene gibt es kaum Unterhaltungsprogramme. Wir möchten gerne wissen, wie die Deutschen arbeiten und wie sie ihre Freizeit gestalten, etwa ob sie gerne Killerspiele am Computer spielen."
Text: Xi Xi,
Journalistin in Nanjing
Übersetzung: Julia Buddeberg
Copyright: Deutsch-Chinesisches Kulturnetz
November 2007
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