Die Kulturrevolution in der chinesischen Literatur


Als eines der bedeutendsten politischen und historischen Ereignisse des 20. Jahrhunderts sowie als komplexes soziokulturelles Phänomen stellt die Kulturrevolution sowohl die Geschichtsschreibung als auch die Literatur vor eine große Herausforderung. Was letztere betrifft, hat einmal ein Wissenschaftler das berühmte Diktum Adornos von der "Unmöglichkeit einer Poesie nach Auschwitz" zitiert, um damit anzudeuten, welcher Prüfung die zeitgenössische chinesische Literatur nach der Kulturrevolution unterzogen wurde. Die literarische Verarbeitung der Kulturrevolution setzte jedoch nicht nur gleich nach dem Ende derselbigen ein, sondern es ist in den über drei Jahrzehnten danach auch eine beachtliche Anzahl an Werken über sie zusammengekommen.
Untersucht man diese literarischen Arbeiten, stellt man fest, dass der gesellschaftliche Status und die persönlichen Erfahrungen der Autoren maßgebliche Faktoren für ihren Umgang mit den Erinnerungen, für ihre gedankliche Perspektive sowie ihre Erzählformen waren. Auch die Rahmenbedingungen der staatlichen Ideologie sowie die Erwartungen der Leser zur Zeit der Entstehung und des Erscheinens eines Buches hatten einen unterschwelligen und nicht zu unterschätzenden Einfluss. So haben sich die verschiedenen Zeitabschnitte kulturrevolutionärer Erinnerung zu einer vielgestaltigen, gleichsam an Gesteinsschichten erinnernde Topografie verdichtet. Die folgende Darstellung setzt beim gesellschaftlichen Status der Autoren und den verschiedenen Generationen bzw. Autorengruppen an. Die einflussreichsten und beispielhaftesten Werke jedes Zeitabschnitts werden in Abrissen vorgestellt und analysiert, um so einen Überblick über ihre wesentlichen Züge zu skizzieren.
Text: Dr. Leng Shuang (冷霜)
Dozent an der Minzu University of China
Übersetzung: Julia Buddeberg
September 2009
Dozent an der Minzu University of China
Übersetzung: Julia Buddeberg
September 2009










