Vom Hin und Herwenden der Kulturen - IUDICIUM Verlag wird 25

China-Titel im IUDICIUM-VerlagDer IUDICIUM Verlag wurde 1983 von Dr. Peter Kapitza in München gegründet. Angefangen hat er mit dem Periodikum Fachdienst Germanistik, in dem Diskussionen zu deutscher Sprache und Literatur in deutschen Medien beobachtet und dokumentiert werden. Zielpublikum dafür sind im Ausland lebende Germanisten. Hinzu kam die bereits bestehende Zeitschrift Info DaF, später germanistische Reihen wie Studien Deutsch und einzelne Buchpublikationen, vor allem in den Bereichen „Deutsch als Fremdsprache“ und „Interkulturalität“. 1987 erschienen die ersten Übersetzungen aus dem Japanischen. Neben den Veröffentlichungen zur Germanistik und den DaF-Lehr- und Fachbüchern kristallisierte sich damit ein dritter Publikationsbereich heraus: wissenschaftlich fundierte Sachbücher über die verschiedensten Aspekte der Ostasienkunde, wie Wirtschaft, Politik, Geschichte, Religion, Recht, Kunst und Kunstgeschichte, Literaturwissenschaft und Linguistik.
Sprache und Literatur
Wenn man heute auf das Programm blickt, erscheinen auch viele chinesische Titel im Programm. Dr. Kapitza nennt Zahlen: „Der Anteil der lieferbaren Bücher mit Bezug zu China liegt bei ca. 15% des Gesamtprogramms, wobei die Veröffentlichungen im Bereich „Deutsch als Fremdsprache in China” in den letzten Jahren kontinuierlich zugenommen hat. Der Prozentsatz der Titel in diesem Bereich lag 2007 mit 18 Neuerscheinungen sogar bei knapp 25%. Im Falle von Fachzeitschriften und Sammelbänden, wie z.B. beim Bochumer Jahrbuch für Ostasienkunde, der Zeitschrift Hôrin oder auch bei den Heften für Ostasiatische Literatur befasst sich allerdings nur ein Teil des Inhaltsverzeichnisses jeweils mit China.“
Die Hefte für Ostasiatische Literatur wurden bereits in einem großen Artikel in der Neuen Zürcher Zeitung und im Deutschlandradio lobend besprochen, hier zeigt sich also auch das Interesse einer breiteren Öffentlichkeit. In Heft 43 findet man zum Beispiel eine neue Übersetzung von Du Fu: Der Herbst-Zyklus Qiuxing. Du Fu gilt als Chinas größter Dichter, ist aber im Deutschen kaum bekannt, weil unzulänglich übersetzt. Ein Schicksal, das er mit vielen Klassikern teilt. Vielleicht kann auch diese Situation durch wissenschaftliche Verlage wie IUDICIUM verbessert werden. Die Pionier- und Probeübersetzungen chinesischer Literatur in den Heften für Ostasiatische Literatur sind jedenfalls Pflichtlektüre für alle, die sich um ihre Verbreitung bemühen, laufende Bibliografien übersetzter Literatur sind für Literaturvermittler sowieso eine schöne Fundgrube.
Kommunikation und Landeskunde
Was im gesamten Programm des Verlags und oft auch vom methodischen Ansatz her praktiziert wird, hat die Germanistin Li Yuan im Vorwort ihrer 2007 bei IUDICIUM erschienenen Dissertation Integrative Landeskunde für ihre eigene Erfahrung so beschrieben: „Die vorliegende Arbeit hat mich drei Jahre lang auf dem Weg zwischen Deutschland und China beschäftigt. Dadurch ist das vorliegende Konzept der Landeskunde ständig zwischen zwei Kulturen hin- und hergewendet und entwickelt worden. Sowohl die Arbeit, als auch das Konzept wurden dabei selbst zu einem kleinen Stück chinesisch-deutschen Kulturaustauschs.“ Li Yuan erforscht den Einsatz von Werbung als Quelle des Wissens im Sprachunterricht und zeigt damit unter anderem, wie sich auch die Fächer der Ostasienwissenschaft zu einem pragmatischen Ansatz hin entwickeln.
Gefördert werden viele Titel: „Viele unserer Publikationen wurden in Zusammenarbeit mit dem Deutschen Institut für Japanstudien, der Deutschen Gesellschaft für Natur- und Völkerkunde Ostasiens in Tokio, der Hanns-Seidel-Stiftung und anderen publiziert.“ Die Frage, worin sich der IUDICIUM Verlag von anderen Fachverlagen mit China-Schwerpunkt unterscheidet, beantwortet der Verleger so: „Die Gewichtung liegt bei uns eher auf Interkulturalität und Deutsch als Fremdsprache im modernen China. Der Harrassowitz Verlag verlegt dagegen viele Titel zur klassischen Sinologie oder auch zur Geschichte der Sinologie.“ Bei IUDICIUM fallen relativ viele chinesische Autoren auf - dazu Dr. Kapitza: „Die Zahl der chinesischen AutorInnen hat erst in den letzten Jahren zugenommen, hauptsächlich handelt es sich bei den Schriften um wissenschaftliche Arbeiten. Bei der Inverlagnahme kommt es uns zu allererst auf die Qualität und weniger auf die Nationalität der AutorInnen an.“
Was die Bandbreite der Themen angeht, die vom Mikrokosmos der Alltagskultur bis zum Makrokosmos der politischen Philosophie reichen, dürften viele der Titel auch für an China interessierte Laien interessant sein. So die diskursanalytisch begründete Erforschung von Höflichkeit im Chinesischen, mit der Yong Liang chinesische Kommunikationsformen vorstellt: „Vorsicht beim Reden; stetige Reflexion auf sich selbst und das Gegenüber; Betonung einer ‚indirekten’ Sprechweise; Konfliktvermeidung; Pflege einer harmonischen Gesprächsatmosphäre“. Daneben der Band Menschenrechte und Demokratie in China, wo auch recht plakative Sätze fallen: „Für die Volksrepublik war das eigene Wirtschaftswachstum die realpolitische Antwort auf den Menschenrechtsdiskurs des Westens.“ Insgesamt findet sich in diesem Verlagsprogramm ein differenziertes und offenes Feld der Ostasienforschung und der interkulturellen Kommunikation.
Text: Martin Zähringer,
Journalist, Berlin
Copyright: Deutsch-Chinesisches Kulturnetz
Oktober 2008
Journalist, Berlin
Copyright: Deutsch-Chinesisches Kulturnetz
Oktober 2008










