Ein Juwel für die Kulturhauptstadt – das neue Museum Folkwang in Essen


Neubau Museum Folkwang, Innenhof © Museum Folkwang/NMFE GmbH, Foto: Wolf Haug
Essen ist zusammen mit dem Ruhrgebiet europäische Kulturhauptstadt 2010. Seit dem letzten Januar-Wochenende 2010 ist die Stadt Essen um eine kulturelle Attraktion reicher: das neue Museum Folkwang wurde der Öffentlichkeit übergeben. Das Haus ist ein Juwel. Nicht nur, weil es grünlich schimmert. Sondern vor allem, weil es hell und nobel wirkt, weitläufig und klar, zugleich großzügig und zurückhaltend. Weite Fensterfronten und eine breite Eingangstreppe laden zum Besuch ein.
Das Gebäude ist neu. Aber das Museum ist alt. Das Folkwang ist ein Kunstmuseum, gegründet wurde es 1922. Damals kam eine der bedeutendsten Sammlungen der klassischen Moderne nach Essen, die Sammlung des Industriellen Karl Ernst Osthaus (1874–1921) aus Hagen. Osthaus hatte das Museum Folkwang 1902 in Hagen gegründet. Der Industrielle und Kunstmäzen hatte schon sehr früh Werke von Rodin, Wilhelm Lehmbruck, Renoir, van Gogh, Cézanne oder Gauguin gesammelt, er wünschte sich eine Verbindung von Kunst und Leben und der Künste untereinander, für die Verwirklichung dieser sogenannten „Folkwang-Idee“ tat er sehr viel. Auf seine Initiative hin entstanden auch eine Folkwang-Malschule, eine Reformschule, eine Künstlerkolonie, ein Verlag sowie Gartenstadt-Projekte. Folkwang – Volkshalle – heißt in der Edda, einem altnordischen Epos, der Palast der Göttin Freya.
Das Juwel ist ein Geschenk
Von Anfang an also besaß das Museum Folkwang eine herausragende Kollektion zur Malerei und Skulptur des 19. Jahrhunderts sowie der aktuellen Kunst vom Anfang des 20. Jahrhunderts, die man heute die klassische Moderne nennt. Als der Mitbegründer des Museum of Modern Art in New York, Paul J. Sachs, 1932 das Folkwang besuchte, lobte er es als „das schönste Museum der Welt“. Noch immer ist die Sammlung des Museum Folkwang weltweit eine der bedeutendsten, nicht zuletzt, weil seit damals wichtige Werke des Expressionismus, des Blauen Reiter und natürlich der Kunst nach 1945 hinzugekommen sind. Aber auch wenn das Folkwang sicher nicht das schönste Museum der Welt ist – zu den Schönsten darf es sich zählen, seit es ein neues Domizil besitzt.
Dieses neue Domizil ist ein Geschenk. Ein Geschenk der Alfried Krupp von Bohlen und Halbach-Stiftung an die Bürger der Stadt Essen. Diese Stiftung ist die Erbin der Firma Krupp, die seit Mitte des 19. Jahrhunderts in Essen Stahl herstellte: Eisenbahnschienen, Lokomotiven, Kanonen. Weil der damalige Hauptbau des Museum Folkwang aus den 1980er-Jahren schwere Mängel aufwies und eine Sanierung sehr teuer gewesen wäre, beschloss die Krupp-Stiftung, der Stadt ein neues Museum zu schenken. Pünktlich zum Kulturhauptstadt-Jahr 2010 sollte es fertig sein, nicht mehr als 55 Millionen Euro sollte es kosten dürfen.
Beides wurde eingehalten. Das alte Haus wurde abgerissen, ein Architektenwettbewerb wurde ausgeschrieben, aus dem der britische Architekt David Chipperfield als Sieger hervorging. Er hat das neue Museum Folkwang entworfen. Ihm ist damit ein großer Wurf gelungen.

Neubau Museum Folkwang, Eingangshof © Museum Folkwang/NMFE GmbH, Foto: Wolf Haug
Das Prinzip der Höfe
Ein weit gestrecktes Ensemble aus eingeschossigen Kuben erhebt sich auf einem Sockel aus hellem Stein. Zur Hauptstraße hin besteht die Fassade aus grünlich schimmernder Glaskeramik, sie hält den groß und lässig hingestreckten Baukörper in der Schwebe zwischen Funktionalbau und Bedeutungsarchitektur. An der Rückseite und zu den Höfen hin bilden Glaswände die Außenhaut. Die Höfe – sie sind eines der Hauptgestaltungsprinzipien des neuen Museums. Um vier begrünte Höfe sind sechs kubische Baukörper gruppiert, sodass der Blick durch die Glasfronten hinaus, über die Höfe hinweg und in andere Räume hineinfällt. Auf diese Weise entsteht ein aufregendes Spiel mit innen und außen. Das Prinzip des umbauten Hofes bildet auch die architektonische Anbindung an einen stehen gebliebenen Teil des alten Museums, der aus dem Jahre 1960 stammt. Er ist, anders als der abgerissene Teil, von hoher ästhetischer Qualität und harmoniert nun mit dem Neubau auf ganz wunderbare Weise.
Licht von oben
Es sei in gewisser Weise altmodisch, sagt David Chipperfield, wie er hier mit dem Boden, den Wänden, dem Licht umgegangen sei. „Sein“ Museum Folkwang besitze sehr einfache Qualitäten. In der Tat. Diese einfachen Qualitäten machen nämlich seine Größe aus. Die Balance nicht nur zwischen innen und außen, sondern auch zwischen Flucht und Nähe, Weite und Geborgenheit ist vollkommen. An jeder Stelle öffnen sich Blickachsen in alle vier Richtungen, überall kündigt sich ein Stück Durchblick, Fenster, Ausblick an, ohne dass je Verspieltheit aufkäme. Die einzelnen Räume sind intim, obwohl fast sechs Meter hoch, und weisen zugleich auf den Nächsten hin. Jeder Raum ist von wohltuender Kraft.

Neubau des Museum Folkwang
© picture alliance/dpa,
Foto: Julian Stratenschulte
© picture alliance/dpa,
Foto: Julian Stratenschulte
Nur zwei Jahre hat es gedauert, bis das neue Museum fertig war. Ein Bau des 21. Jahrhunderts. Der dennoch in der Tradition der klassischen Moderne der Architektur steht. Also genau das Richtige für das Museum Folkwang in Essen.
Ab 30. Januar 2010 zeigt das Museum Folkwang einen Teil seiner Sammlung, und zwar die Kunst nach 1945 sowie Teile seiner bedeutenden Fotografie-Sammlung unter dem Titel Fotografie und Individuum.
Vom 20.3. bis 25.7.2010 folgt die Ausstellung Das schönste Museum der Welt, eine Rekonstruktion der historischen Sammlung Folkwang von 1902. Dann ist auch das gesamte Museum (auch der noch im Umbau befindliche Altbau) geöffnet und die gesamte Kollektion des Hauses zu sehen.
Vom 20.3. bis 25.7.2010 folgt die Ausstellung Das schönste Museum der Welt, eine Rekonstruktion der historischen Sammlung Folkwang von 1902. Dann ist auch das gesamte Museum (auch der noch im Umbau befindliche Altbau) geöffnet und die gesamte Kollektion des Hauses zu sehen.
Text: Ulrich Deuter
Leitender Redakteur der Kulturzeitschrift K.WEST
Copyright: Goethe-Institut e. V., Online-Redaktion
Februar 2010
Leitender Redakteur der Kulturzeitschrift K.WEST
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Februar 2010









