Lin He

Lin He, Studentin, lebt seit 2 Jahren in DeutschlandIch glaube, für chinesische Studenten ist das größte Problem hier in Deutschland, dass sie alles – egal ob es sich um das Studium oder den Alltag dreht – selbst in die Hand nehmen müssen.
In Deutschland gibt es zu wenig Obst- und Gemüsesorten, deshalb musste ich meine Essgewohnheiten hier erst einmal umstellen. Es gibt nicht nur anderes Essen, auch die Anzahl der Mahlzeiten hat sich verändert, mittags gibt es meistens nur ein Brot zu knabbern. Das ist nicht wie in China, wo man drei warme Mahlzeiten täglich isst und zu jeder Mahlzeit mehrere Gerichte. (lacht)
In Deutschland ist es sehr sicher und der Verkehr funktioniert gut. Die öffentlichen Kultureinrichtungen sind besonders toll: Es gibt viele Bibliotheken, Museen und Theater, die Lernatmosphäre ist einfach sehr gut. Wegen der Sprachbarriere müssen chinesische Studenten viel härter arbeiten als ihre deutschen Kommilitonen. Und wenn die Familie nicht wohlhabend ist und man nebenbei auch noch arbeiten muss, ist es umso schwerer.
Der Umgang der Deutschen miteinander ist nicht so herzlich wie in China, aber dafür sehr ehrlich. Vielleicht ist das ein kultureller Unterschied. Sie können einen damit ganz schön vor den Kopf stoßen. Ich habe z.B. beim ersten Anlauf meine Sprachprüfung nicht bestanden. Und am Vorabend der Nachprüfung rief ein Kommilitone sehr besorgt an und fragte dann sehr direkt: „Was machst du, wenn du wieder nicht bestehst?“ Das bedeutet Pech, denn Chinesen verstehen diese Frage als böses Omen, du glaubst nicht an den Erfolg. Aber nüchtern betrachtet ist dieses „vorher an alle Unwägbarkeiten denken", gerade ihre Stärke. Ähnliche Beispiele ließen sich noch viele finden - sie sind die i-Tüpfelchen meines Lebens hier.
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Juli 2007
Juli 2007






