Portraitmosaik

Shan Jiening

Shan JieningShan Jiening, Angestellte bei einer Außenhandelsfirma, MA in Kommunikationswissenschaft, lebt seit 10 Jahren in Deutschland

Ich lebe jetzt das zehnte Jahr in Deutschland, und ich nehme immer weniger ein Blatt vor den Mund, wie eine Deutsche, es geht sogar schon soweit, dass ich mich im Umgang mit Chinesen etwas zu direkt ausdrücke.

Obwohl ich beliebig zwischen dem Deutschen und dem Chinesischen umschalten kann, drücke ich mich doch im Chinesischen viel treffender aus, wenn ich zum Beispiel eine witzige Bemerkung mache, lachen sich die Leute noch mehr kaputt.

In Deutschland begegnen sich die Menschen distanzierter, die Deutschen sind nicht so neugierig was andere Menschen angeht, das liegt einfach an der Erziehung, die sie genossen haben und die ihnen Zurückhaltung auferlegt.

In Deutschland ist die Natur sehr schön, das gesellschaftliche Klima ist sehr zwanglos, man nimmt seine eigenen Interessen wahr, aber man betont auch das Gemeinwohl, das zeigt sich im großen Gratis-Angebot für Unternehmungen: Singen, Malen, Lesen, Sport und noch mehr. Nicht so wie in China, wo der rasche Erfolg und der schnelle Profit im Vordergrund stehen, und wo sich alles um den Kauf einer Eigentumswohnung und das Geldverdienen dreht.
Ganz gleich wo man lebt, überall gibt es Freude, Ärger, Leid und Lust, man muss sich seine Balance selber schaffen. Wichtig ist nicht WO sondern WIE man lebt.

Ich könnte mir vorstellen, auch mein weiteres Leben in Deutschland zu verbringen.
Übersetzung: Ute Gebina Gareis
Copyright: Deutsch-Chinesisches Kulturnetz
Juli 2007

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