Jupp Hartmann

Jupp Hartmann, Künstler, seit vier Jahren in PekingMeine Frau und ich sind eher zufällig nach China gekommen, weil wir ins Ausland gehen wollten und es in China gute Arbeitsmöglichkeiten gab. Im Nachhinein war das eine sehr gute Entscheidung. Ich fühle mich hier sehr wohl, weil ich das Gefühl habe, durch den Kontrast mit der anderen Kultur auch sehr viel über mich selber zu lernen, was ich in Deutschland so nicht lernen könnte. Dinge, die man in der Kultur, in der man aufgewachsen ist, als selbstverständlich wahrnimmt, weil das alle so ähnlich machen, wirken vor dem Hintergrund einer anderen Kultur plötzlich teilweise sehr ungewöhnlich, teilweise auch seltsam. Das ist eine sehr interessante Selbsterfahrung.
Ich finde, dass ich von der chinesischen Kultur in manchen Bereichen auch sehr viel lernen kann. Ich interessiere mich zum Beispiel sehr für alte chinesische Philosophie, vor allem für das Daodejing (Taoteking). Man findet noch manches davon im Alltagsverhalten, es ist sogar viel lebendiger, als ich mir das vorgestellt habe. Die Leute hier sind hier zum Beispiel viel eher bereit, von einer Sache, die sie als richtig erkannt haben, auch das Gegenteil zu akzeptieren. Das verbinden wahrscheinlich wenige Westler mit China, aber ich finde, dass es in China eine ziemlich große Toleranz gibt, für andere Meinungen, weil eben die Vorstellung besteht, dass von jeder großen Wahrheit auch das Gegenteil richtig sein kann.
Eine andere Sache, die ich hier sehr spannend finde, ist die sehr lebendige, internationale Community in Beijing. Ich habe ein sehr großes und internationales Umfeld, stehe mit dem anderen Bein aber auch in der chinesischen Kultur. Mittlerweile geht es mit dem Chinesischen ganz gut, aber wenn Chinesen sich unterhalten, ist das immer noch schwierig. In Argentinien war ich nach einem halben Jahr in der Sprache angekommen, hier in China habe ich auch nach vier Jahren noch das Gefühl, nur wenn sich die Leute auf mich einstellen, ist die Kommunikation kein Problem.
Copyright: Deutsch-Chinesisches Kulturnetz
Juli 2007
Juli 2007






