Portraitmosaik

Jing Moell

Jing Moell, Übersetzerin und Dolmetscherin, lebt seit 21 Jahren in Deutschland

Ich finde, ich bin weder eine echte Chinesin, noch eine richtige Deutsche. Die Deutschen finden mich sehr chinesisch und für die Chinesen bin ich sehr deutsch. Aber wie man mich definiert ist gar nicht wichtig.

Mein Mann ist Deutscher und nach so vielen Jahren Ehe spüre ich keine Unterschiede mehr zwischen uns. Wenn, dann höchstens in der Art, wie wir miteinander reden, z.B. Gefühle oder Ansichten ausdrücken. Die Sprache an sich ist aber nur ein äußerliches Kommunikationsmittel. Wenn sie geschickt angewandt wird, gibt es zwischen den Menschen keine wesentlichen Unterschiede und in ihrer Kommunikation keine Hindernisse.

Als ich China verlassen habe, war ich noch sehr jung und ich hatte weder von der Politik noch vom Leben konkrete Vorstellungen. Nach all den Jahren in Deutschland, empfinde ich den Respekt vor den Menschenrechten und das Streben nach Demokratie als etwas Selbstverständliches. Wenn ich jetzt auf China zurückblicke, bin ich oft kritisch, denn meine Vorstellungen vom Leben wurden in Deutschland geprägt.

Als Studentin bin ich sehr gern gereist. Allein in Afrika war ich schon in mehr als zehn Ländern. Der Begriff der „Staatsgrenzen“ hat sich in meinen Augen längst aufgelöst und „Heimat“ ist geschrumpft auf meine Familie und mein näheres Lebensumfeld. Ich bin in Beijing geboren, aufgewachsen und habe manchmal großes Heimweh nach dieser Stadt. Aber mein wirkliches Zuhause ist dennoch hier, in Berlin.
Copyright: Deutsch-Chinesisches Kulturnetz
Juli 2007

    KuBus 75 - Chinesen in Berlin

    Sibei vor Philharmonie
    In Berlin leben heute rund 6.000 Chinesen. Wie fühlen sie sich? Hier einige Antworten.