Tibet


Lhasa
Seit März 2008 dominierte das Thema Tibet in Deutschland und anderen westlichen Ländern den Blick auf China und begleitete auch die Berichterstattung um den Olympischen Fackellauf. In China konzentrierte sich die öffentliche Meinung vor allem auf die gelegentlich fehlerhafte Berichterstattung westlicher Medien, die als latent oder offensichtlich chinafeindlich wahrgenommen wurde. Differenzierte Betrachtungsweisen des Themas auf beiden Seiten gingen angesichts der in China wie in Deutschland hochkochenden Emotionen unter. Erst das tragische Erdbeben in Sichuan vom 12. Mai 2008 verdrängte das Thema vorübergehend aus den Schlagzeilen.
Unabhängig von aktuellen Anlässen bleibt Tibet eine der Fragen, die in der Diskussion zwischen Chinesen und – vor allem auch – Deutschen immer wieder aufkommen. Auf beiden Seiten stößt die Position des Gegenübers häufig auf Ablehnung oder Unverständnis. Tibet wird damit zu einem exemplarischen Fall für die Schwierigkeiten eines konstruktiven Dialogs zwischen zwei Kulturen. Der Frage, warum dies so ist, will das Deutsch-Chinesische Kulturnetz nachgehen. Wir eröffnen damit zugleich auch die Rubrik „In der Diskussion" auf unseren Magazinseiten.
Wir haben den Tibetologen Dr. Karl-Heinz Everding um einen Beitrag gebeten, der sich mit der Faszination Tibets auf die Deutschen befasst. Symbolisiert durch den mystischen Ort „Shangrila", der in dem 1933 erschienen Roman Lost Horizon des Engländers James Hilton irgendwo im Himalaja angesiedelt ist, erscheint Tibet vielen Menschen im Westen, aber neuerdings auch manchen Chinesen, als Symbol für ein irdisches oder spirituelles Paradies. Diese Wahrnehmung wurde dadurch unterstützt, dass Tibet lange nicht oder kaum zugänglich war. Auf Tibet projizierte Sehnsüchte werden sogar kommerziell genutzt. Jüngstes Beispiel: Ein Weichspüler namens Shangri-La verspricht den Käufern, sie in die „geheimnisvolle, unbekannte Duftwelt" des „antiken Königreiches Shangri-La" zu entführen
Die Pekinger Wissenschaftlerin Dr. Wang Ge, eine profunde Kennerin der deutschen und chinesischen Gedankenwelt, setzt sich in ihrem sehr persönlichen Beitrag Tibet – ein gordischer Knoten mit Aspekten der Tibet-Frage aus chinesischer Sicht auseinander.
Wie denken Sie über dieses Thema? Senden Sie Ihren Kommentar an info@de-cn.net. Die Redaktion Deutsch-Chinesisches Kulturnetz wird die interessantesten Zuschriften auswählen und auf dieser Seite veröffentlichen.
Beitrag aus Deutschland
Dr. Karl-Heinz Everding: Was fasziniert die Deutschen an Tibet?
Beitrag aus China
Dr. Wang Ge: Tibet - ein Gordischer Knoten
Teil I
Teil II















