Chinesische Literatur beim Unionsverlag

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| Chinesische Autoren im Unionsverlag: Mo Yan, Lao She, Alai |
Es sind zwar durchweg anerkannte und desgleichen gut übersetzte chinesische Autoren, die im internationalen Spektrum des Unionsverlages ihren Platz gefunden haben, aber allzuviele sind es nicht. Im Vergleich übersetzter Literaturen entspricht das der Lage auf dem gesamten Buchmarkt. Die chinesische Literatur hat schon einige Boomzeiten erlebt, aber richtig nachhaltig wirkt sie nur in Liebhaber- und Expertenkreisen. Wenn man daran etwas ändern will, lohnt sich ein Blick auf den Unionsverlag, der über viel Erfahrung und Gespür in Sachen Machbarkeit verfügt. Martin Zähringer hat dem Verleger Lucien Leitess einige Fragen zu seinen Erfahrungen gestellt.
Lao Shes großer Peking-Roman wurde beim Unionsverlag in Eigenregie übersetzt. "Vier Generationen unter einem Dach" (dt.1998) ist ein Werk von 1100 Seiten. Wie viele Leser hat das denn gefunden?
Ehre wem Ehre gebührt – dieser epochale Roman wäre nie möglich gewesen ohne die Beteiligung der Jahrhundert-Bibliothek des Bertelsmann-Leserings. Unsere Auflage lag bei 3000 Exemplaren.
Lässt sich da eine bestimmte Leserschicht ausmachen?
Mir ist etwas unwohl bei dieser Frage, weil weder Auflage noch Leserschaft irgendeines Buches monokausal mit seiner Herkunft verknüpft sind. Ich erkenne keine genügend große, also zahlenmäßig fassbare Leserschaft, die sich generell für alles "Chinesische" interessiert.
Wie hoch sind denn üblicherweise die Auflagen chinesischer Titel?
Die Startauflagen liegen wie überall: Bei Lancierungen noch unbekannter Autoren zwischen drei- und fünftausend. Ein überraschendes Ausnahmetalent wie Alai schafft es nach intensiver Reaktion der Medien danach durchaus in den fünfstelligen Bereich.
Der Sinologe Wolfgang Kubin hat schon in den 1980ern Anthologien und Essaysammlungen bei dem großen Verlag Suhrkamp publiziert. Die 6bändige Werksausgabe (1994) von Lu Xun aber beim kleineren Unionsverlag. Warum?
Wir wollten diese Werkausgabe herausbringen und haben ihn angefragt. Manchmal sind kleine Häuser eben der bessere Platz für große Autoren und Abenteuer.
Wenn der Unionsverlag heute chinesische Literatur übersetzen will, finden sich da auf Anhieb gute Übersetzer oder Übersetzerinnen?
Die Chinesisch-ÜbersetzerInnen scheinen mir eine besonders leidenschaftliche, gegenwarts-zugewandte und aktive Gruppe zu sein. Wir erhalten wesentlich mehr Tipps und sogar fertige Übersetzungen, als wir realisieren können. Bei den Sinologen scheint mir der Anteil mit übersetzerischen Ambitionen und Talenten wesentlich größer als bei vergleichbaren Disziplinen.
Woran könnte das liegen?
Vielleicht daran, dass das Übersetzen angesichts der ganz anderen Sprachstruktur des Chinesischen eine viel größere Herausforderung und Interpretationsleistung ist.
Bekommen Sie Angebote direkt von chinesischen Verlagen oder gibt es solide verankerte Agenturen?
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| Verleger Lucien Leitess |
Leider hatte ich noch nie mit einer chinesischen Agentur zu tun. Die Schwäche im Agenturbereich teilt China mit den meisten Ländern Asiens, Afrikas und Lateinamerikas. Hier spielen neokoloniale Mechanismen eine Rolle. Internationale Verlagsgruppen oder Agenturen schnappen sich die Rosinen, oft in der Form von Joint-Ventures mit chinesischen Verlagsriesen. Oft werden Rechte z.B. aufgrund einer Übersetzung via USA, England oder Frankreich angeboten.
Sind chinesische Autoren selbst im Tauschgeschehen aktiv?
Die Autoren wirken noch isoliert vom internationalen Geschehen, aber wenn man zu ihnen vordringt, ist die Zusammenarbeit gut und ohne Hindernisse. Dazu muss man wie wir das Glück haben, eine Sinologin als Lektorin zu haben: Alice Grünfelder.
Wie verlaufen die Kontakte zwischen Ihnen und den Chinesen?
Sicher würden sie mehr direkte Kontakte begrüßen. Wo wir diese direkte Zusammenarbeit pflegen können, gab es nie irgendwelche rechtlichen, kommunikativen oder devisentechnischen Probleme.
Orientieren Sie sich auch an einem europäischen Trend der Chinarezeption?
In den dreißig Jahren meines Verlagslebens sind schon gar viele europäische China-Trends gekommen und wieder gegangen, von der heroischen Literatur unserer Kulturrevolutions-phantasien bis zu den bösen Mädchen der jüngsten Jahre. Wir suchen - wie überall - jene Autorinnen und Autoren, die nicht künstlich hochgespült werden und darum auch nicht so bald untergehen. Dass der Tibeter Alai bei uns ist, macht mich glücklich, er ist ein Ausnahmetalent.
Bereiten Sie sich schon auf den Messeschwerpunkt China im Jahr 2009 in Frankfurt vor?
Es gilt unsere eiserne Regel: Wenn Du Stärken hast, nutze sie im Jahre des Schwerpunkts, aber richte nie Dein Programm nach einer Ein-Jahres-Fliege aus. Wir werden neue China-Projekte, die wir ohnehin machen würden, und Neuerscheinungen bisheriger Autoren gerne im Jahre 2009 vorlegen und den Schwung des Schwerpunkts nutzen.
Auswahl aus dem Chinesischen übersetzter Literatur beim Unionsverlag:
• Mo Yan: Das rote Kornfeld. Roman. Deutsch von Peter Weber-Schäfer, 2007, ISBN 3-293-20383-3
• Mo Yan.: Die Schnapsstadt. Roman. Deutsch von Peter Weber-Schäfer. 2005, ISBN 3-293-20320-5
• Alai: Roter Mohn. Roman. Deutsch von. Karin Hasselblatt, 2006, ISBN 3-293-00327-3
• Lu Xun: Werke in sechs Bänden. Herausgegeben, mitübersetzt und kommentiert von Wolfgang Kubin. Leinen in Schuber 1994, ISBN 3-293-00206-4
• Lao She: Vier Generationen unter einem Dach. Roman. Herausgegeben und aus dem Chinesischen übersetzt von Irmtraud Fessen-Henjes. 1998, ISBN 3-293-00257-9
• Mo Yan: Das rote Kornfeld. Roman. Deutsch von Peter Weber-Schäfer, 2007, ISBN 3-293-20383-3
• Mo Yan.: Die Schnapsstadt. Roman. Deutsch von Peter Weber-Schäfer. 2005, ISBN 3-293-20320-5
• Alai: Roter Mohn. Roman. Deutsch von. Karin Hasselblatt, 2006, ISBN 3-293-00327-3
• Lu Xun: Werke in sechs Bänden. Herausgegeben, mitübersetzt und kommentiert von Wolfgang Kubin. Leinen in Schuber 1994, ISBN 3-293-00206-4
• Lao She: Vier Generationen unter einem Dach. Roman. Herausgegeben und aus dem Chinesischen übersetzt von Irmtraud Fessen-Henjes. 1998, ISBN 3-293-00257-9
Text: Martin Zähringer,
freier Journalist, Berlin
Copyright: Deutsch-Chinesisches Kulturnetz
Oktober 2007
freier Journalist, Berlin
Copyright: Deutsch-Chinesisches Kulturnetz
Oktober 2007

















