Sich in der fremden Sprache häuslich einrichten

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| Porträt Luo Lingyuan, Foto Milena Frech |
Für ihre Reise in umgekehrter Richtung – von China nach Deutschland - hat Luo Lingyuan das Flugzeug gewählt. 1963 in China geboren, mit einem Jahr Deutschunterricht an der Shanghaier Fudan-Universität im Gepäck, kommt sie 1990 nach Deutschland; nicht wie einst Chamisso als Flüchtling nach dem Verlust der Heimat, sondern aus "romantischen" Gründen.
"Chinesen lernen wahnsinnig schnell."
Aus der Reise wird ein langer Aufenthalt. Das magere Deutsch der Studienzeit lässt Luo hinter sich. "Chinesen lernen wahnsinnig schnell", sagt sie. Eines Tages dann legt sie los: Sie schreibt ihre erste Erzählung in deutscher Sprache. "Durch das Schreiben in Deutsch muss ich mich mit der Sprache noch mehr, noch intensiver beschäftigen. Dadurch lerne ich. " Der ersten Erzählung folgen weitere zehn, gesammelt erscheinen sie in dem Buch Du fliegst jetzt für meinen Sohn aus dem fünften Stock!, für das sie 2007 den Adelbert-von-Chamisso-Förderpreis erhält. Der Preis wird von der Robert Bosch Stiftung an deutsch schreibende Autoren nicht-deutscher Muttersprache verliehen.
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| Adelbert von Chamisso |
"Durch die Sprache erreicht man die Menschen."
Einige Wochen vor diesem Abend im Brecht-Haus geht sie in einem Gespräch über Sprache und Heimweh ohne zu zögern auf die immer wieder gerne gestellte Frage ein: "Es heisst, man sei in einer Sprache angekommen, wenn man in dieser Sprache träumt. Träumen Sie in Deutsch?" "Manchmal, ja. Da höre ich im Traum jemanden schöne oder komplizierte Sätze sagen. Dann wache ich auf und bin ganz überrascht." "Überrascht?" "Ja, weil es Sätze sind, die ich selber eher nicht sage, weil ich nicht wagen würde, so kompliziert zu sprechen. Aber eigentlich muss ich die Sätze ja wohl selber formuliert haben, wenn ich sie im Traum höre." Luo lacht. Nachdenklich beantwortet sie die nächste Frage: "Wenn Sie eine Scheu vor komplizierten deutschen Sätzen haben, warum schreiben Sie in Deutsch?" "Ich lebe in Deutschland. Durch die Sprache erreicht man die Menschen. Und umgekehrt: Deutschland erreicht mich, Deutschland kommt mir näher." Auf diesem Weg der Annäherung ist nun das nächste Buch bereits geschrieben. Es erscheint 2008 unter dem Titel Nachtschwimmen im Rhein. In Deutsch. "Haben Sie eigentlich Heimweh nach der chinesischen Sprache?" " Ja, immer". "Und was tun Sie dagegen?" "Ich lese viel. Von meinen Reisen nach China komme ich immer mit einem schweren Koffer voller Bücher zurück."
Luo Lingyuan hat sich im fremden Deutschen häuslich eingerichtet. Die "seltsamen Silben" des Chinesischen aber bleiben möglicherweise noch eine ganze Weile ihr Zuhause.
Text: Ute Gebina Gareis
Redakteurin, Deutsch-Chinesisches Kulturnetz
Copyright: Deutsch-Chinesisches Kulturnetz
Oktober 2007
Redakteurin, Deutsch-Chinesisches Kulturnetz
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Oktober 2007
















