Mit deutschen Tugenden im Ausland bauen

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| Albert Speer & Partner: Anting New City |
Die beiden am meisten involvierten Architekturbüros Deutschlands sind die Hamburger Architekten vom Büro von Gerkan, Marg und Partner, die an über 50 Projekten in der Volksrepublik China arbeiten, sowie der Frankfurter Architekt und Stadtplaner Albert Speer, der dort schon über 60 Projekte entworfen hat. Wegen der raschen Industrialisierung und der gleichzeitigen Landflucht in die Städte werden in den nächsten zehn Jahren dort voraussichtlich über einhundert Städte für jeweils mehr als eine Million Bewohner geplant werden müssen.
Aus den bisher relativ wenigen aktiven deutschen Planern in Asien könnten also leicht sehr viele werden, wenn diese Prognosen stimmen. Ein anderer viel versprechender Markt sind die Vereinigten Arabischen Emirate und Saudi Arabien. Auch hier planen schon jetzt zahlreiche internationale Architekturbüros den Umbau von Städten wie Dubai in Tourismusregionen für die Zeit "nach dem Öl" und auch dort ist der Markt noch längst nicht gesättigt.
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| gmp: Chinesisches Nationalmuseum |
Die schwierige Situation im Inland
Die Frage die sich stellt, ist: Warum eigentlich im Ausland bauen, wenn die Tätigkeit des Architekten doch im Grunde vor Ort sein sollte? Die Antwort liegt einerseits in der prekären Auftragslage in der sich viele deutsche Architekturbüros wegen der derzeitigen Flaute im deutschen Bausektor befinden und andererseits in der großen nationalen Konkurrenz. Deutschland hat mit 1,36 Architekten pro 1000 Einwohnern, nach Italien, die höchste Architektendichte Europas. Allein im Bundesland Bayern arbeiten mehr Architekten als in ganz Australien. Und anstatt vergeblich auf Aufträge im Inland zu hoffen, scheint der Blick ins Ausland die Lösung zu sein.
Bauaufträge im Ausland
Der gängige Weg für die Akquise neuer Aufträge sind die Beteiligung an internationalen Wettbewerben, der Besuch von Messen und Kongressen sowie die Teilnahme an Delegationsreisen in fremde Länder, die von Handelskammern und Ministerien organisiert oder unterstützt werden. Doch dieses Unterfangen sollte gut vorbereitet sein, denn selbst wenn man den Auftrag für ein Bauwerk wirklich erhält - ohne die Kenntnis der örtlichen Bauvorschriften, ohne die Sprache zu sprechen und ohne professionelle Unterstützung im Bereich der interkulturellen Kompetenz ist gerade ein Bauvorhaben im asiatischen oder arabischen Ausland nur schwer vorstellbar. Eine Zweitniederlassung vor Ort oder eine Kooperation mit einem lokalen Architekturbüro ist oft unumgänglich. Der Einstieg in den globalen Wettbewerb ist somit nicht nur zeit-, sondern auch kostenintensiv. Die meisten der deutschen Architekten, die zur Zeit international erfolgreich bauen, waren schon längst etabliert, als sie sich ins Ausland wagten. Junge oder kleinere Architekturbüros, denen die finanzielle Stabilität noch fehlt, sollten mit allzu großen internationalen Ambitionen sehr vorsichtig sein.
Der typisch deutsche Architekt
Was ist das Besondere an deutschen Architekten? Und was ist, falls man das erkennen kann, so typisch deutsch an ihnen? Für Professor Gunter Henn, der mit seinem Architekturbüro seit einigen Jahren in Asien und im Nahen Osten erfolgreich tätig ist, ist der Grund für die Beliebtheit deutscher Architekten, dass sie umfassende Leistungen anbieten können. Deutschland verlangt von seinen Architekten, dass sie, im Unterschied zu vielen anderen Ländern, von der ersten Skizze über die detaillierte Planung des gesamten Gebäudes bis hin zur Bauaufsicht alle so genannten Leistungsphasen eines Bauwerks abdecken können. Durch den Werkvertrag, den man in Deutschland abschließt, sagte er, "gibt man ein fertiges und mängelfreies Werk ab. In anderen Ländern hat man einen Dienstleistungsvertrag und gibt nur Zeichnungen ab." Zu dem Klischee des typisch Deutschen in der Baubranche stellt Professor Henn fest, dass die deutschen Tugenden da kein Hindernis sind, denn, "Präzision, Disziplin, Pünktlichkeit und Zuverlässigkeit, das sind alles Tugenden die Sie zum Bauen brauchen".
Text: Mathieu Wellner
Freier Architekt und Architekturvermittler in München
Copyright: Goethe-Institut, Online-Redaktion
Dieser Artikel erschien erstmals im Juni 2006 bei www.goethe.de
Freier Architekt und Architekturvermittler in München
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Dieser Artikel erschien erstmals im Juni 2006 bei www.goethe.de



















