Die Ware Sprache – das Goethe-Sprachlernzentrum in Xi'an

„Wer die deutsche Sprache versteht und studiert", schrieb Goethe im Jahre 1827, „befindet sich auf dem Markte, wo alle Nationen ihre Waren anbieten". Die Kenntnis einer Sprache, so Goethe weiter, ermögliche es, die Besonderheit einer jeden Kultur kennen zu lernen. Goethes Worte könnten als Motto stehen für das Goethe-Sprachlernzentrum (SLZ), das mit Beginn des Sommersemester 2008 in der chinesischen Nordwest-Metrolpole Xi'an eröffnet wurde. Als Ableger des Goethe-Instituts soll sich diese Einrichtung der Vermittlung und dem Unterrichten der deutschen Sprache widmen und auf Prüfungen vorbereiten, die für ein Studium in Deutschland verbindlich sind. Bereits im November 2007 nahm in Peking ein SLZ seinen Lehrbetrieb auf. Shanghai als dritter Standort folgte Mitte März.
Sprachlernzentrum als Kooperationsprojekt
Als Besonderheit dieser Sprachzentren gilt, dass es sich um deutsch-chinesische Kooperationsprojekte handelt. Die Sprachzentren werden gemeinsam vom Goethe-Institut (GI) und von ortansässigen Bildungseinrichtungen getragen. So wurde im Falle Xi'an die Zusammenarbeit mit der Fremdsprachenuniversität (XISU) beschlossen, die auf ihrem Gebiet in der Region führend ist und zugleich über einen renommierten germanistischen Lehrzweig verfügt. Sie verfügt also über Erfahrungen im Unterrichten der deutschen Sprache und über entsprechend gut ausgebildete Lehrer. Ein wesentlicher Bestandteil der Kooperation ist, dass Lehrkräfte der chinesischen Partnereinrichtungen zugleich für das SLZ tätig werden können. Voraussetzung an das Lehrpersonal, das nicht allein von der XISU gestellt wird, ist vor allem Lehrerfahrung und die Bereitschaft, sich am interaktiven Unterrichtssystem des GI zu orientieren.
Seit 2007 liefen die Vorbereitungen für die Eröffnung der drei Sprachlernzentren in China. Die Zusammenarbeit mit den chinesischen Partnern sieht konkret so aus, dass das GI eine Anschubfinanzierung leistet, mit denen unter anderem die Räumlichkeiten ausgebaut und entsprechende Lehrmaterialien angeschafft werden. In die Verantwortung der chinesischen Seite fallen neben der Bereitstellung des Lehrpersonals vor allem die organisatorischen und logistischen Aufgaben. Der deutsche Leiter des SLZ in Xi'an, Helmut Forster, sieht die Zusammenarbeit bislang durchweg positiv. Vor allem das Verhältnis mit seinem Kollegen Tong Yaodong, der für die chinesische Seite die Leitung des Sprachlernzentrums stellt, sei gut.
Der Name Goethe als Vorteil
Obgleich sich das SLZ Xi'an auf dem Campus der Xisu befindet, bleibt das Sprachzentrum doch unabhängig und ist, wie Forster es ausdrückt, nur ein Gast der chinesischen Universität. Ein Gast freilich, der herzlich willkommen ist. Denn so wie das SLZ vom Lehrpersonal der XISU profitiert, so wird vom Goethe-Institut unter anderem garantiert, dass den chinesischen Lehrern von der deutschen Seite finanzierte Fortbildungen zugute kommen werden. „Natürlich hat dies auch eigennützige Gründe", betont Forster. „Schließlich wollen wir den Anspruch des SLZ an das Niveau unseres Unterrichts sicherstellen". Denn vor allem damit, so Forster weiter, wolle man sich profilieren und sich auf dem hart umkämpften Markt der privaten Sprachschulen in China hervorheben. In Xi'an bestehen bereits mehrere nicht-universitäre Einrichtungen, die Deutschkurse anbieten. „Unser Vorteil", hebt Forster hervor, „ist unser Name. Das Goethe-Institut und damit auch unser Sprachlernzentrum haben hier einen sehr guten Ruf".
Ganz in diesem Sinne stehen die Aussagen einiger Sprachlerner, die soeben am SLZ mit einem Deutschkurs begonnen haben. Das Goethe-Institut, so meint etwa der Sprachschüler Yin Jezhe, sei ja berühmt, deshalb habe er sich entschieden, am SLZ Deutsch zu lernen. Sein Mitschüler Xiong Feifeng ergänzt, dass das Goethe-Institut ein Markenzeichen sei. Gewissermaßen der Mercedes unter den Sprachschulen. Diese Vorschusslorbeeren, so Forster, gelte es nun durch entsprechend hochwertigen Unterricht zu rechtfertigen.
Es sind insgesamt 48 Sprachlerner, die seit Anfang März in einem der bislang drei Kurse Deutsch lernen oder ihre Kenntnisse aufbessern. Überwiegend handelt es sich um Studenten, die bereits an ihrer Universität einen Abschluss in den verschiedensten Gebieten gemacht haben und nun planen, in Deutschland zu studieren. „Dementsprechend hoch motiviert und vor allem zielstrebig seien die Studenten", betont Forster. Zugleich zeigen sich auch die Auswirkungen der neuen Nachzugsregelung der Bundesrepublik Deutschland. Um dem deutschen Ehepartner nach Deutschland folgen zu können, sind Nicht-EU-Bürger dazu verpflichtet, deutsche Sprachkenntnisse nachzuweisen.
Ausbaufähigkeit als erste Eigenschaft
Derzeit kann Forster sieben chinesische Deutschlehrer und zwei Muttersprachler als Honorar-Lehrkräfte beschäftigen. „Idealerweise", meint Forster, „haben wir in Zukunft ein Verhältnis von 50:50, so dass wir in einem Kurs sowohl einen chinesischen als auch einen deutschen Lehrer haben, die sich die Unterrichtstage teilen können". Auch hier also soll eine enge deutsch-chinesische Kooperation stattfinden.
Da sich das Sprachlernzentrum möglichst schnell finanziell selbst tragen soll, wird auf eine rasche Expansion des Unterrichtsangebots in naher Zukunft gezielt. Forster schätzt, dass das Xi'aner SLZ Raum für täglich 160 bis 170 Studenten bietet, die sich auf parallel verlaufende Kurse aufteilen werden. Schon jetzt, so Forster, werde das Zentrum auch als Treffpunkt angenommen, als Ort, an dem man in Ruhe lernen und sich auf den Unterricht vorbereiten könne. Sehr bald soll auch eine umfangreiche Bibliothek eröffnet werden.
Dozent für deutsche Kultur, Geschichte und Literatur an der Northwestern Polytechnical University Xi'an
Copyright: Deutsch-Chinesisches Kulturnetz
April 2008















