Bildung

Mit dem DAAD zum Doppelabschluss

DAAD-gefördertes Projekt: Master-Studiengang der UDK Berlin an der China Academy of Art in Hangzhou © DAAD
DAAD-gefördertes Projekt: Master-Studiengang der UDK Berlin an der China Academy of Art in Hangzhou © DAAD
DAAD-gefördertes Projekt: Master-Studiengang der UDK Berlin an der China Academy of Art in Hangzhou

Der DAAD fördert die internationalen Beziehungen der deutschen Universitäten durch den Austausch von Studierenden und Wissenschaftlern sowie internationale Programme. Wichtigste Geldgeber sind das Auswärtige Amt, das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung und das Bundesministerium für Bildung und Forschung. 2006 finanzierte der DAAD 1147 Aufenthalte von Chinesen in Deutschland und von 1339 Deutschen in China mit einem Volumen von 12 Millionen Euro. Zentrale Anlaufstelle in Deutschland ist das China-Referat der DAAD-Geschäftsstelle in Bonn. Annette Kaiser sprach mit dem Leiter Dr. Klaus Birk (47) über Förderschwerpunkte, Finanzen und Veränderungen.

AK: Was sind die Trends 2008?

Die Förderung von Strukturprogrammen. Traditionell haben wir einzelne Personen unterstützt, die in ihrem Forschungsauftrag gefolgt sind. Jetzt fördern wir verstärkt Kooperationsprojekte zwischen deutschen und ausländischen Universitäten. Neu sind die so genannten Doppelabschlussprogramme. Dabei absolvieren die Studenten mindestens ein Jahr im eigenen und ein Jahr im anderen Land. Zum Abschluss erhalten sie zwei Diplome, je eins von den kooperierenden Universitäten.

AK: Gibt's Beispiele aus China?

Aktuell läuft das "Postgraduate Master's Programme in Fine Art and Design" zwischen der Universität der Künste in Berlin und der Chinesischen Kunstakademie in Hangzhou. 120 junge Männer und Frauen absolvieren dort ein fünfsemestriges Studium, unter anderem in den Bereichen Architektur, Industriedesign, Neue Medien, Malerei und Bildhauerei. Darüber hinaus existieren solche Programme zwischen der Technischen Universität Berlin, der Bauhaus Uni Weimar und der Tongji-Universität in Shanghai im Bereich Architektur.

AK: Welchen Vorteil hat so ein Doppelstudiengang?

Die Studenten erwerben interkulturelle Kompetenz und können später in beiden Ländern tätig werden. Sie verlieren keine Zeit mit der Anerkennung von Studieninhalten im jeweils anderen Land. Das erhöht die Berufschancen. Wir reagieren damit auf die Forderungen der Wirtschaft. Die will Studienabgänger, die beides haben: Fachwissen plus China-Erfahrung. Doppelstudiengänge sind zudem eine Marketing-Maßnahme der deutschen Bundesregierung. Sie dienen dazu, deutsches Know-how in China bekannt zu machen. Denn die chinesischen Studenten, die in Deutschland waren und zurückgehen, sind die Kooperationspartner von morgen.

AK: Welche Rolle spielt der DAAD dabei?

Die kooperierenden Hochschulen kommen auf uns zu und stellen einen Antrag auf finanzielle Förderung. Ihre Studenten wählen sie aber selbst aus. Das läuft so gut, dass wir planen, demnächst auch Doppelpromotionen anzubieten.

AK: Werden noch einzelne Personen gefördert?

Ja. Neu sind Programme mit Individualantrag aus dem Bereich ‚Nachhaltigkeit', etwa Biotechnologie oder Forstwissenschaften. Wir versuchen jetzt verstärkt, mehr Deutsche aus solchen Fachgebieten nach China zu schicken. Das ist eine Veränderung gegen über den neunziger Jahren, als etwa 80 Prozent der DAAD-Stipendiaten Sinologen waren. Das bekannte Jahresprogramm „Sprache und Praxis in China" für deutsche Sinologen läuft parallel weiter. Bei den Chinesen unterstützen wir Promotionen und sowie Studiengänge aus der Entwicklungszusammenarbeit, zum Beispiel Wasserwirtschaft.
AK: Welchen Anteil hat der Kulturaustausch?

Er macht gerade mal 2 Prozent unseres Budgets aus. Pro Jahr bewerben sich im Schnitt 6 bis 8 deutsche Künstler auf ein Jahresstipendium. In diesem Jahr gehen 8 Leute mit einem DAAD-Stipendium in die Volksrepublik China und 4 nach Hongkong. Meistens sind das junge Leute von einer Kunstakademie. Die Nachfrage ist nicht so groß, weil viele an der Sprache scheitern.

AK: Was bietet der DAAD sonst noch im Bereich Kultur an?

Wir haben ein Kurzzeitprogramm, bei dem deutsche Professoren für vier Wochen an chinesischen Universitäten unterrichten. Darunter sind Architekten, Künstler, Designer und Musiker. Für Chinesen gibt es das „Berliner Künstlerprogramm". Zudem unterstützen wir auf Anfrage auch Einzelprojekte zu Events. Bei der aktuellen Veranstaltungsreihe „Deutschland und China gemeinsam in Bewegung" des Goethe-Instituts Peking übernehmen wir etwa die Förderung im Wissenschaftsbereich.

AK: Der DAAD fördert den deutsch-chinesischen Austausch seit 1973. Welche Veränderungen können Sie feststellen?

Bis in die neunziger Jahre waren wir die Geldgeber und haben Entwicklungshilfeprogramme für China finanziert. Das ist heute nicht mehr nötig. Die Chinesen vergeben zahlreiche Stipendien, schicken ihre Leute auf eigene Kosten nach Deutschland. Chinesische Universitäten werden aktiv, suchen sich selbst ihre Partner. Oft übernehmen wir nur noch die Rolle des Vermittlers.

AK: Herr Dr. Birk, vielen Dank für das Gespräch!
Text: Annette Kaiser <
Journalistin
Copyright: Deutsch-Chinesisches Kulturnetz
März 2008
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