Dr. Mareile Flitsch: „Wir verstehen noch nicht, was in China passiert"

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| Forschungsobjekt Tonkrieger in Xi'an |
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| Pd. Dr. Mareile Flitsch |
„Das ist eine klassische Drittmittelschleuder" sagt Dr. Flitsch zum Problem der Finanzen. Sie sitzt im 6. Stock des TU-Gebäudes nahe dem Landwehrkanal, hat eine volle Stelle bis 2009 und derzeit einen Mitarbeiter. Einem Schwachpunkt Technischer Universitäten will sie bildungspolitisch begegnen: „Es fehlt der China-Link. Wir müssen sinologische Fachkenntnisse in die Technischen Universitäten bringen. Bisher lief es so, dass Sinologen an TUs gingen und sich weiterbildeten, um dann zum Beispiel Technisches Übersetzen zu praktizieren. Wir machen „FÜS" – fächerübergreifende Studien. Was wir wollen, ist, die Chinalehre in die allgemeine Lehre an den Technischen Universitäten zu tragen, und so langsam zeichnet sich ab, dass sich hier etwas entwickelt."
China – eine mitschreibende Kultur
Praktisch heißt das: ein spezielles Studienprogramm für alle Fachrichtungen der TU, als Ergänzung zum Lehrangebot des TU-Institutes für Philosophie, Wissenschaftstheorie, Wissenschafts- und Technikgeschichte. In Schwerpunkten ausgedrückt: Wissenschaft- und Technikgeschichte sowie Technikethnologie. Dr. Flitsch forscht zu Technikanthropologie, ihr Schwerpunkt sind Alltagstechniken. Theoretisch wird in alle Richtungen ermittelt: „Vor allem geht es um die Annäherung an das umfangreiche Dokumentationsmaterial, über das die Chinesen selbst verfügen. China ist ja – wie ein Kollege einmal sagte – eine mitschreibende Kultur. Da gibt es seit Jahrtausenden schon laufende Dokumentationen zur technischen Alltagskultur."
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| Familie auf dem Kang in einem manjurischen Haus |
Die China-Arbeitstelle ist bemüht, die Ergebnisse ihrer Arbeit an die Öffentlichkeit zu bringen. Die Zeitschrift für Technikgeschichte gibt im Frühjahr 2008 eine Sondernummer zu China heraus, Dr. Flitsch selbst ist an der TU-Berlin für die wissenschaftliche Reihe „Kultur Konkret - Alltagstechniken (Chinas)" zuständig. Ein geplantes Projekt ist die Datenbank „China-Artefakte für Sekundärliteratur über chinesische Alltagstechniken", die auch für eine breitere Öffentlichkeit interessant werden dürfte. Schon jetzt kommen oft Anfragen von Journalisten zu Themen des Alltags oder der Technik Chinas.
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| Dampfwalzen, VR China, 1950er Jahre |
Deutschland: Es fehlen Sinologen in der Forschung
Unzureichende Sprachkenntnisse sind ein Problem für das Fortschreiten solcher wissenschaftlichen Initiativen, denn in den neuen Bachelor- und Master-Studiengängen wird eine kompetente Sprachausbildung nicht mehr gewährleistet. „Chinesisch zu erlernen ist schwierig. Ich selbst habe Chinesisch 2 Jahre in Frankreich und 3 Jahre in China studiert, so viel Zeit braucht man schon." Immerhin lehren in Deutschland schon einige Gymnasien das Chinesische als Fremdsprache, so dass die Hoffnung der Wissenschaftlerin auf sprachlich vorgebildete Studenten sich dereinst erfüllen könnte.
Die beschleunigte Modernisierung in China lässt die Geschichte des 20. Jahrhunderts heute vielfach in einem neuen Licht erscheinen. „In China nähert man sich inzwischen der Erforschung der „Kulturrevolution", der „Große Sprung" wird als Forschungsthema gerade wieder entdeckt", erklärt Dr. Flitsch. „Jetzt greifen die Reformen, der Alltag verändert sich unglaublich schnell. In Deutschland gehört die Sinologie zu den "Kleinen Fächern": Es gibt 21 sinologische Institute mit 42 Professuren. Im Wintersemester 2006/2007 waren in Deutschland 2.400 Studierende für Sinologie eingeschrieben. Davon geht aber nur ein Bruchteil in die Forschung. Es gibt viel zu wenig sinologisch ausgebildete Wissenschaftler. Das Spektrum der zu China erforschten Themen ist nach wie vor begrenzt, so dass das Bild, das man hierzulande von China hat, vielfach noch kein adäquates Bild ist. Von hier aus ist es nach wie vor schwer zu verstehen, was in China jetzt passiert. Inzwischen sieht es für Sinologen, die die chinesische Forschungslandschaft kennen, so aus, als ob China Europa sehr viel besser erforscht als umgekehrt. Jetzt ist der richtige Zeitpunkt, um den Wandel in China zu erforschen."
Text: Martin Zähringer,
freier Journalist, Berlin
Copyright: Deutsch-Chinesisches Kulturnetz
Dezember 2007
freier Journalist, Berlin
Copyright: Deutsch-Chinesisches Kulturnetz
Dezember 2007




















