Von Qingdao bis Urumqi: Mehr chinesische Schüler lernen Deutsch


Schüler der Mittelschule Nr. 12 in Urumqi mit neuen Deutschbüchern, Foto: Armin Heinz
Gute Sprachkenntnisse sind äußerst hilfreich, wenn nicht sogar die Grundlage für jeden Kulturaustausch. Und je früher man beginnt, eine Fremdsprache zu erlernen, desto größer das Interesse an der mit ihr verbundenen Kultur und umso stärker die Bindung an den entsprechenden Kulturkreis. So sieht es jedenfalls die deutsche Bundesregierung und startete 2008 unter der Schirmherrschaft von Außenminister Frank-Walter Steinmeier eine weltweite Initiative zur Etablierung von Deutschunterricht an Mittelschulen, genannt „Schulen: Partner der Zukunft“, kurz PASCH.
Mit der Aufgabe, weltweit 500 neue Partnerschulen zu gewinnen, ist das Goethe-Institut betraut, und so nahmen im April 2008 zwei Projektmitarbeiter ihre Arbeit in Peking auf, um den Kontakt zu geeigneten Schulen herzustellen: Sebastian Vötter und Frau Thuc-lan Tran sprechen beide hervorragend Chinesisch, was ihre starke Bindung an das Gastland unterstreicht und bei den Gesprächen mit Schuldirektoren, Beamten der zuständigen Behörden, Lehrern und Eltern von unschätzbarem Wert ist. Da Thuc-lan Tran auch noch Kantonesisch beherrscht, ist sie inzwischen vor allem im Süden Chinas unterwegs. Hier scheint allerdings das Interesse an Deutsch – mit Ausnahme der Region um Shanghai – wenig ausgeprägt zu sein als im Norden. Ansprechpartnerin für Schulen in Shanghai ist übrigens Anja Geissel in der Abteilung Kultur und Bildung des deutschen Generalkonsulats Shanghai.
Bei der Aufgabe, jungen Chinesen das Deutschlernen schmackhaft zu machen, werden die PASCH-Mitarbeiter von der mobilen Theatergruppe des Goethe Instituts Peking unterstützt. Extra für PASCH hat die Leiterin der Truppe, Ulrike Ostertag, zwei Theaterstücke geschrieben, mit denen die Zuschauer ganz nebenbei in einer Stunde 10 Worte Deutsch lernen können: Die Öko Rübe und Der Trick des Wunderdoktors heißen die Stücke. Allein im Herbst gab es sieben Aufführungen in PASCH-Schulen und solchen, die es werden wollen; sogar in Urumqi.

Aufführung des "Wunderdoktors" in Tianjin;
Tianjin, Peking, Urumqi, Qingdao
Bis Mitte Dezember 2008 traten in Nordchina sechs Mittelschulen dem PASCH-Netzwerk bei, darunter die renommierte Mittelschule der Volksuniversität China in Peking, aber auch die Mittelschule Nr. 12 in Urumqi in der Autonomen Region Xinjiang, die Mittelschule Nr. 9 in Qingdao und gleich drei Schulen in Tianjin. An zwei der Schulen wird bereits seit einigen Jahren Deutsch unterrichtet, bei den anderen vier handelt es sich um eine Neueinführung. Zusammengezählt werden an diesen sechs Schulen knapp 900 Schüler Deutsch lernen.
Weltweit wurden 2008 250 ausländische Schulen in das Netzwerk der Partnerschulen der Bundesrepublik Deutschland aufgenommen, darunter besonders viele in Indien (19) und Brasilien (17). Es folgen Argentinien und die Türkei mit je 13 und die Ukraine mit 12.
Das Angebot von PASCH für die Partnerschulen reicht je nach Ausstattung der Schule von reinen Lehrmaterialien über technische Ausrüstung bis zur Förderung von Lehrern im In- und Ausland. Um die Qualität des Unterrichts und die Nachhaltigkeit zu gewährleisten, bemühen sich Sebastian Vötter und Thuc-lan Tran auch darum, qualifizierte Lehrer zu finden. So haben sie bereits verschiedene Veranstaltungen an den Deutschabteilungen verschiedener Universitäten, z.B. in Guangzhou, durchgeführt, um Germanisten mit Master- und Bachelor-Abschluss auf das Projekt aufmerksam zu machen. Interessierten Lehrern in Spe werden mehrwöchige pädagogische Fortbildungen in Deutschland angeboten.
Und was bringt es Schülern, sich auf die Tücken der deutschen Sprache einzulassen? „Vor allem gute Berufschancen“, meint Sebastian Vötter. Gerne zitiert er eine Studie des chinesischen Erziehungsministeriums, welche Kenntnisse von Arbeitgebern im Jahr 2007 nachgefragt wurden: Gemäß dieser lag Deutsch auf dem 9. Platz, als erste Fremdsprache nach verschiedenen Fachkenntnissen und vor Französisch auf Platz 10. Auch ein Studium in Deutschland, welches aufgrund der niedrigen Kosten schon heute sehr attraktiv ist, wird durch das frühe Studium der deutschen Sprache erleichtert.
Kurzfristig werden viele der Schüler aber erstmal die Gelegenheit haben, an einem von der Pasch-Initiative finanzierten internationalen Jugendcamp in Deutschland teilzunehmen, bei dem Schüler von PASCH-Schulen aus der ganzen Welt zusammentreffen, Deutsch lernen und Spaß haben. Aus Chinas reisen im Februar 2009 die ersten sechs Schüler aus Tianjin zu einem Jugendcamp nach Freiburg.

Mit dem Deutschlernen beginnt man am besten früh...
Voraussetzungen
Was für Schulen kommen für die Partnerschulinitiative in Frage? Eine potentielle Partnerschule muss in erster Linie Interesse haben, Deutsch als Fremdsprache einzuführen, und zwar in einem Umfang von 5-6 Unterrichtsstunden/Woche. Schon diese Anforderung ist nicht leicht umzusetzen, denn leider sind die meisten chinesischen Schüler mit 9 Fächern und 35 Unterrichtseinheiten pro Woche ohnehin schon überlastet. Das Kontingent für Fremdsprachen von 8 Wochenstunden ist in der Regel mit 6 Stunden Englisch fast ausgeschöpft. Am ehesten kommen also Schulen in Frage, die sowieso einen Fremdsprachenschwerpunkt haben oder so genannte „Experimental Middle Schools“.
Immerhin gibt es in ganz China schon rund ein Dutzend Mittelschulen, die Deutschunterricht auf einem Niveau anbieten, dass den Schülern erlaubt, nach sechs Jahren direkt an einer deutschen Hochschule zu studieren – ohne die sonst übliche TestDaF-Prüfung und ohne erst in China ein Studium zu absolvieren. Und einige ganz wenige bieten Deutsch sogar als Prüfungsfach für die Hochschulprüfung an.
Kontakt:
Sebastian Vötter (voetter@peking.goethe.org)
Frau Thuc-lan Tran (tran.thuc-lan@peking.goethe.org)
Anja Geissel (geissel@shanghai.goethe.org)
Sebastian Vötter (voetter@peking.goethe.org)
Frau Thuc-lan Tran (tran.thuc-lan@peking.goethe.org)
Anja Geissel (geissel@shanghai.goethe.org)
Text: Maja Linnemann,
Chefredakteurin Deutsch-Chinesisches Kulturnetz
Copyright: Deutsch-Chinesisches Kulturnetz
Dezember 2008
Chefredakteurin Deutsch-Chinesisches Kulturnetz
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Dezember 2008










