21 x 21: Leben in Peking im 21. Jahrhundert im 21. Stock


Lebensweisen und Wertvorstellungen ändern sich im rapiden Urbanisierungsprozess, dem China unterworfen ist. Für die meisten Chinesen sind Hochhäuser Ausdruck des Fortschritts, des steigenden Wohlstands und der Entwicklung des Landes. Trotz oft minderwertiger Bauqualität bieten sie ihren Bewohnern meist einen erheblich besseren Wohnstandard als ältere Wohnquartiere. Vor allem aber stellen sie individuellen Raum zur Verfügung: Raum für die Verwirklichung der eigenen Wohnideen und für den eigenen Lebensstil.
Dabei ist das Wohnzimmer als Teil des Ganzen ein Mikrokosmos, in dem sich menschliche und soziale Beziehungen formen und darstellen. Wohnzimmer bieten den Raum für Individualisierung, gleichzeitig sind sie Ausdruck des eigenen Status. Sie spiegeln die traditionellen sowie die sich im Umbruch befindlichen familiären Beziehungen wider. Sie geben aber auch Auskunft über die (Frei-)Zeitgestaltung der Bewohner. In jedem Wohnzimmer findet man Fernseher als einen unverzichtbaren Teil des Lebens. Sofas und Couchtisch sind so ausgerichtet, dass man bequem schauen kann. Im rapiden Wandel der gesellschaftlichen Wertvorstellungen und in Anbetracht der Unsicherheit in Bezug auf die geistigen Bedürfnisse füllt das Fernsehen eine Leerstelle. Es lenkt ab, betäubt, spiegelt vor; es läuft nebenher und ständig, der Fernsehapparat bildet das Zentrum des Wohnzimmers, des Versammlungsortes der Familie.
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21 x 21: Fotografien von Tanja Reith |
Tanja Reith, Jahrgang 1972, ist Fotodesignerin und Sinologin. Sie lebt seit mehreren Jahren in Peking. Die Ausstellung „21 x 21 Leben im 21. Stock in Beijing im 21. Jahrhundert“ wurde 2007 in der Cicero Galerie für Politische Fotografie, Berlin, und 2009 in der Deutschen Botschaft, Peking, gezeigt.











